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Rendell, Ruth Urteil in SteinOriginaltitel: A Judgement in Stone
Status: Vergriffen Preis: 6.90 EUR Unsere Meinung:"Eunice Parchman tötete die Familie Coverdale, weil sie nicht lesen und schreiben konnte."
(Ruth Rendell "Urteil in Stein", S. 7) So beginnt Ruth Rendells psychologischer Kriminalroman "Urteil in Stein": Mit einen Anfangssatz, der wie in Grabstein gemeißelt ist. Dies ist gleichzeitig der Beginn zu einer bitterbösen Geschichte, bei der das Zusammentreffen und dabei Betrug, Lügen und simple Missverständnisse zwischen völlig unterschiedlichen Menschen sich zu einer schicksalhaften Tragödie auswachsen. Die großbürgerliche Familie Coverdale ist auf der Suche nach einer neuen Haushaltshilfe. Dabei geraten sie an die etwas seltsame, aber um so genügsamere und tüchtige Eunice. Was sie nicht wissen: Hinter Eunice Parchman liegt eine sehr fragwürdige Vergangenheit, und so hat sie sich auch den Job bei den Coverdales mehr oder weniger durch Vorspiegelung falscher Tatsachen erschlichen. Als besonders tragisch soll sich aber letztlich herausstellen, daß die vereinsamte Eunice an fortschreitendem Persönlichkeitsverfall leidet und ihrer Umwelt schon seit vielen Jahren ihr Analphabetentum verschweigt. Und sie ist bereit, sich dieses Geheimnis bedingungslos und mit allen Zähnen und Klauen zu bewahren. Bei den Coverdales ist ihr einziger Freund lange Zeit nur das Fernsehgerät, das ihr die Familie geschenkt hat. Auf die zahlreichen Anbiederungsversuche der verbitterten alten Krämersfrau Joan Smith reagiert sie erst, als sie von der Familie völlig unbeabsichtigt unter Druck gesetzt wird und sie eine Verbündete und Helferin bitter nötig hat. Die Coverdales ahnen unterdessen gar nicht, welcher Haß da heranwächst und daß die durchaus zur Bösartigkeit neigende Eunice bald wild entschlossen ist, mit Hilfe der verrückten Krämersfrau ihnen und allen anderen Mitmenschen die vergangenen Demütigungen heimzuzahlen ... "Urteil in Stein" gehört für meine Begriffe zu Ruth Rendells besten Kriminalromanen. Gleichzeitig wäre es übertrieben, diesen Roman etwa als Klassiker der Kriminalliteratur bezeichnen zu wollen, denn Rendell schafft es weder hier, noch in ihren frühen oder in ihren späteren Romanen über den Schatten ihrer eigenen Konventionen zu springen. Geschweige denn erreicht sie das schriftstellerische Niveau oder die erzählerische Phantasie von Autorinnen wie etwa Patricia Highsmith oder Autoren wie Georges Simenon. Das Grundproblem an Rendells Romanen hat in diesem Zusammenhang vor einigen Jahren der Publizist und Spezialist für Kriminalliteratur Jochen Schmidt erstaunlich gut auf den Punkt gebracht: "Sie schreibt gute traditionelle Detektivgeschichten. Doch ihre Psychothriller bleiben solange schwach, wie sie ihre Figuren wie Marionetten herumkommandiert und auf eine zweifelhafte Weise Schicksal spielt." (Zitiert aus: Jochen Schmidt: Gangster, Opfer, Detektive. Einen Typengeschichte des Kriminalromans, Ullstein: Frankfurt/Berlin 1989, S. 238) Diesen feinen Unterschied mag auch Ruth Rendell selbst empfunden haben, so daß sich daraus vielleicht auch erklären läßt, weshalb sie seit 1986 einerseits unter dem Pseudonym Barbara Vine um einiges konzentriertere psychologische Thriller geschrieben hat (vgl. z. B. "Schwefelhochzeit"), um andererseits ihren Kommissar Wexford nach bis dahin 13 Folgen zu weiteren 8 Fortsetzungen voranzutreiben. Sie hat damit eine wahrhaft erstaunliche Kriminalsaga geschaffen, die 1964 mit "Alles Liebe vom Tod" ("From Doon With Death") begann und bis heute - 40 Jahre später - trotz inzwischen deutlich erkennbarer Alterserscheinungen von ihr immer noch weiter fortgeschrieben wird ("Not in the Flesh" 2007). Und das auf einem meist fraglos lesenswerten Niveau. "Doch problematischer als jene durchweg überdurchschnittlichen Detektivgeschichten sind jene weitaus ehrgeizigeren psychologischen Thriller der Ruth Rendell, die ohne Polizei und Mordaufklärung, ohne das klassische Whodunnit-Schema auszukommen suchen und die Spannung ganz aus dem Innenleben der Figuren ableiten. Dabei neigt Ruth Rendell zu Handlungskonstruktionen, die allzu viele Zufälle miteinander kombinieren und die Geschichten, im Positiven oder im Negativen, so platt aufgehen lassen wie eine Rechenaufgabe." (Zitiert aus: Jochen Schmidt: Gangster, Opfer, Detektive. Einen Typengeschichte des Kriminalromans, Ullstein: Frankfurt/Berlin 1989, S. 237) Bei aller nachdenklicher Kritik: Ruth Rendell ist allemal für Überraschungen gut. Zwar wird beim genaueren Blick auf den Roman deutlich, daß auch "Urteil in Stein" von den vermeintlichen Schwächen, die hier beschrieben wurden, behaftet ist. Doch selbst wenn sie mit ihrer ambitionierten Geschichte damals 1977 z. B. eine psychologische Studie eines Massenmordes in der Art von Truman Capotes "Kaltblütig" im Sinn gehabt haben sollte (dann wäre ihr allerdings nur ein sehr schwacher Abklatsch dazu gelungen), so wirken ihre kaltblütigen Killerinnen Eunice und deren durchgeknallte Freundin Joan ironischerweise doch eher wie eine altjüngferliche Version der wirren und hoffnungslos desperaten Kriminellen aus Filmen der Coen-Brüder ("Fargo"), nämlich unfreiwillig witzig und hemmungslos böse - - - [ hs/30.08.2007 ] 7 von 10 Kugeln
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Krimi-Specials
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