Titel: Voltaires Kalligraph

De Santis, Pablo Voltaires Kalligraph

Staunend folgen wir dem Kalligraphen Dalessius durch die Wunder des 18. Jahrhunderts: Automaten, erfinderische Henker, sonderliche Bordelle, frühe Computer, Hinrichtungsmaschinen, Teiche voller giftiger Fische, düstere Schlösser und die Linienkutschen für Leichen sind alle in den Kampf der Aufklärung gegen die finsteren Mächte des untergehenden Ancien Régime verstrickt. Voltaire und Dalessius decken einen ungeheuren Coup des Klerus auf, aber können sie ihn auch verhindern?

Autor: De Santis, Pablo
Titel: Voltaires Kalligraph
Jahr: 2006-09
Seiten: 154 |
Verlag: Union
ISBN: 978-3-293-20338-9
Preis: 8.90 EUR

Status: Lieferbar

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Unsere Meinung:

"Früher konnten Worte geheimnisvoll und mächtig sein - entweder als Orakel oder als Zauberspruch. Heute scheinen Worte oftmals weniger zu bedeuten, als sie eigentlich bedeuten. Die Autoren, bei denen dieser Verlust am eindrücklichsten gestaltet ist, sind Kafka und Beckett." (Pablo De Santis, zitiert aus dem Nachwort in "Voltaires Kalligraph", S. 181)

So leichtfüßig die Geschichten des Argentiniers Pablo De Santis auf den ersten Blick auch daherkommen, so schwerfällig wirken auf mich doch die intellektuellen Exkurse und Einfälle in seinen Kriminalromanen.
Gesättigt von der- und vielerlei Erzählideen und Randbemerkungen gewinnt auch der kleine historische Kriminalroman "Voltaires Kalligraph" eine beinahe unangenehme Schwerfälligkeit. Am Vorabend der französischen Revolution und sozusagen aus den Kellergewölben der Aufklärung heraus erzählt das Buch die Geschichte des Waisenkindes Dalessius, dem sein feindseliger Onkel nach vielen Wirren das Handwerk der Kalligraphie angedeihen lässt. Auf Onkels Betreiben, der von Paris aus gleichzeitig einen landesweiten Post- und Kurierdienst samt einem recht seltsamen Bestattungsunternehmen führt, gerät Dalessius dann auf abenteuerlichen Wegen zu einer Stelle bei dem Philosophen Voltaire, der sich von Schloß Ferney (in der Nähe des Genfer Sees) aus seiner zunächst weniger als Kalligraph denn als Agent für die eigenen politischen Aktionen bedient. Dabei scheint Voltaire zuletzt einer ungeheuren Verschwörung der katholischen Kirche auf der Spur. Dalessius soll dem genauso streitbaren wie alterschwachen Philosophen nun die entsprechenden Informationen und Beweise herbeischaffen ...
Immer am Rande der fantastischen Erzählung (nicht zuletzt in der Tradition seines großen Vorbilds Borges) bietet De Santis hier "anspruchsvolle" Unterhaltung mit zahlreichen literarischen und kulturhistorischen Anspielungen und satirischen Seitenhieben. Und wer dazu noch Geschmack an diesem überbordenen Figurenkabinett und seiner skurrilen wie absonderlichen Protagonisten findet, der wird sich mit diesem Buch sicher köstlich amüsieren.

Das Buch erscheint mir letztlich fast wie ein kleines Westentaschentheater. Dabei hat mich dieses irre Kaleidoskop des 18. Jahrhunderts zwar nicht kalt gelassen, aber auch nicht überzeugt, - was ich übrigens absichtlich vorsichtig formuliere, weil solcherlei subtile Lektüre besonders stark bestimmten Lesestimmungen unterliegt.

[ hs/08.06.2006 ]
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