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Blaudez, Lena SpiegelreflexAda Simon ist Fotoreporterin. Afrika ist ihre zweite Heimat. In Cotonou, der größten Stadt in Benin, scheint alles so zu sein wie immer. Doch nachdem Adas bester Freund, der Politiker Patrick, vor ihren Augen ermordet wird, verwandelt sich ihr Alltag zusehends in einen Albtraum. Immer tiefer verstrickt sich Ada in die afrikanische Realität und die kalte Realpolitik, bei der sich alles um fette Kredite aus Brüssel und die Gier nach Schürfrechten dreht. Bald weiß sie nicht mehr, wem sie trauen kann. Wider Willen wird Ada zum Spielball entgegengesetzter Interessen. Schließlich versucht sie in einem Akt der Verzweiflung, der tödlichen Gefahr zu entrinnen.
Status: Vergriffen Preis: 19.90 EUR Unsere Meinung:Von ihrer schriftstellerischen Kunstfertigkeit her ist Lena Blaudez mit "Spiegelreflex" ein spannendes und stimmungsvolles Krimi-Debüt gelungen. Doch beim genaueren Hinsehen stimmt es dann doch etwas bedenklich, wie die deutsche Autorin ihre "Heldin aus Notwehr" (Verlagstext), die Fotoreporterin Ada Simon, durch den schwarzen Kontinent stapfen lässt. Zwei Elemente ihrer Handlung wirken dabei besonders unglaubwürdig:
Der Heldin nimmt man ihre Professionalität als Fotografin so einfach nicht ab, denn zu allgemein bleiben die Beschreibungen ihrer Arbeit, zu oberflächlich behandelt Blaudez das fotografische und motivische Denken ihrer Fotoreporterin. Der imagegeladene "Beruf" der Heldin stellt sich hier nicht als Berufung dar, sondern als reine Ausschmückung einer romantischen Handlung. Das hat leider zusätzlich zur Folge, dass auch andere Handlungsmomente drohen, in Klischees abzurutschen. Viel schwerer wiegt allerdings, wie blauäugig und kapriziös Blaudez ihre Heldin durch die Handlung leitet. Zwar gibt sie ihrer Geschichte einen ordentlichen Schuss Sozial- und Gesellschaftskritik mit (Korruption und politische Machtspiele in Benin sowie die wirtschaftliche Ausbeutung des westafrikanischen Staates), doch vergisst die ortskundige Autorin dabei offenbar doch, genauer hinzusehen. Denn nach allem was man hört und sieht, ist in den dortigen Ländern Afrikas neben der offensichtlichen Korruption auch die AIDS-Seuche ein brennendes Problem; daran gemessen verliert Blaudez praktisch kein Wort zu einem allgegenwärtigen Phänomen, während sie ihrem Roman gleichzeitig bewußt nicht nur viel Exotik, sondern auch einen ordentlichen Schuss Erotik beimischt. Nein, das ist kein moralinsaurer Einwand, mit dem auf dem immer noch ungeschriebenen Kodex der political correctness gepocht wird. Nüchtern betrachtet tritt hier nämlich die Autorin mit dem Anspruch auf, uns mit den Mitteln des Kriminalromans Politik (=Korruption), Kultur (=dunkel und magisch) und gesellschaftliche Leben Benins (=tja? Triebhaft?) nahe zu bringen oder gar zu erklären. Da der Krimi bekanntlich nicht nur ein beliebtes, sondern eben auch ein nicht immer geeignetes Vehikel für solche Motive ist, lässt Blaudez in "Spiegelreflex" offenbar nicht nur Probleme bei der Objektivwahl, sondern auch bei der Einstellung der entsprechenden Tiefenschärfe erkennen... Zu einem wirklich guten Kriminalroman in der Traditionslinie Eric Amblers (Verlagswerbung) fehlt der talentierten Autorin deshalb noch einiges. Es ist zu wünschen, dass bei der Fortsetzung der Krimiserie um Ada Simon das bekanntlich sehr ambitionierte und kluge Lektorat des Unionsverlags an den guten Ausgangsvoraussetzungen seiner neuen Autorin arbeitet. Denn aus einer solchen Arbeit erwächst dann sicher bald mehr als Stories in einem undeutlichen Gemisch aus Exo- und Erotik, die im schlimmsten Fall auch in bunten Illustrierten veröffentlicht werden könnten. Letztendlich gibt es in den Höhen und Niederungen der aktuellen Kriminalliteratur aber weit größere Verfehlungen als in diesem dennoch lesenswerten Debüt. Und blendet der Rezensent schließlich beide beispielhaften Kritikpunkte einmal einfach aus, dann hat er dennoch an einen unterhaltsamen Sonntagnachmittag die Bekanntschaft mit einer hoffnungsvollen neuen deutschen Krimiautorin erlebt. [ hs/14.06.2005 ]
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Krimi-Specials
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