Titel: Die vierte Schwester

Atkinson, Kate

Die vierte Schwester

Originaltitel: Case Histories
Aus dem Englischen von Anette Grube

Die Schwestern Sylvia, Amelia und Julia sind wilde Teenager, die ihre Mutter permanent überfordern. Deren Sonnenschein ist die von allen innig geliebte kleine Olivia. In einer heißen Sommernacht verschwindet die Kleine spurlos. Dreißig Jahre später taucht Olivias Lieblingsspielzeug auf. Was ist damals passiert? Die Schwestern betrauen den Privatdetektiv Jackson mit dem Fall. Nach und nach lernt Jackson die drei Schwestern näher kennen und sieht, dass das Verschwinden Olivias das Drama ihres Lebens ist. All ihre Träume und Sehnsüchte haben sich verflüchtigt, die kleine Schwester dagegen ist ständig anwesend. Jackson kennt dieses Gefühl. Auch er hat seine Schwester plötzlich verloren. Obwohl er nicht glaubt, dass er den Fall lösen kann, trägt er pflichtbewusst seine Ermittlungsergebnisse zusammen und entdeckt durch einen Zufall den Schlüssel zu dem tragischen Verlust der drei Schwestern.

Autor: Atkinson, Kate
Titel: Die vierte Schwester
Jahr: 2005-03
Seiten: 400 | Hardcover
Verlag: Droemer
ISBN: 978-3-426-19550-5
Preis: 19.90 EUR

Status: Vergriffen

Preis: 19.90 EUR

Unsere Meinung:

Nicht zum ersten Mal begibt sich die britische Autorin Kate Atkinson auf Forschungsreise durch die Pathologie des bürgerlichen Familienlebens. In "Die vierte Schwester" greift sie ihr Grundthema erneut auf und seziert das familiäre Seelenleben bis an die Wurzeln seiner Nervenenden, - sie tut dies hier aber zum ersten Mal mit den Mitteln des Kriminalromans.
Ihr ambitionierter Roman glänzt dabei durch eine feine, hintergründige Ironie und die Psychologie ihrer Figurenkonstellation, gleichwohl hinterläßt das Buch nach der Lektüre doch eine gewisse Ratlosigkeit.
Dennoch erweist sich Atkinson in jenen Momenten als souveräne Erzählerin, wenn sie mit ihrem zentralen Motiv der Schwesterngeschichte spielt und klassisch-romantische Vorlagen vom heilen Familienleben mit bitterböser und makabrer Ironie zu einem Bestiarium des Familienlebens umformt.
So hat es auch einen guten Grund, daß die verschachtelten Familiengeschichten des Buches im englischen Original den Titel "Case Studies" (Fallstudien) tragen. Dieser Titel verweist eindeutig auf das bemerkenswerte Gesamtprojekt Atkinsons, mit dem sie aber die Strukturen ihres Kriminalromans eindeutig überstrapaziert. Das wird u.a. dann erkennbar, wenn sie ihre zentrale Figur, den Privatdetektiv Jackson Brodie, einige Seiten zu spät in den Roman einführt, so daß dieser nur noch schwerlich als Bindeglied taugt, um gleich drei Familiendramen, allesamt sehr tragisch und komplex, miteinander zu verknüpfen . . .
[ hs/31.07.2005 ]
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