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Dessaint, Pascal SchlangenbrutOriginaltitel: Loin des humains
Unsere Meinung:Es ist schade, daß sich die herausragenden Qualitäten dieses Kriminalromans erst nach der zweiten Hälfte der Lesestrecke erschließen: Zu labyrinthisch ist Pascal Dessaints Erzählweise in seinem ersten auf Deutsch erschienenen Roman. Vordergründig beschreibt er die Familientragödie der Gebrüder Lafleur: Jacques Lafleur, ein Sonderling, der die meiste Zeit seines Lebens auf Wanderschaft und in freier Natur verbracht hatte, wird tot im verwilderten Garten seiner Schwester Jeanne aufgefunden. Einige Tatumstände lassen den Schluß zu, dass Jacques seinen Mörder kannte.
So beginnt der Toulouser Kriminalbeamte Félix Dutrey in der Familie und näheren Bekanntschaft des Opfers zu ermitteln. Vor allem der Bruder Pierre Dufleur und seine Frau, die Schwägerin Valérie, geraten dabei in den Blick. Doch Dutrey kann zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen, welche Kreise der Mordfall und die Vorgeschichte von Jacques Lafleur ziehen. Und keiner der Protagonisten kann schließlich bis dahin ahnen, welche Rolle der junge Müllarbeiter Rémi noch spielen wird, der die Tagebücher von Jacques beim Müllsortieren findet und sich einen eigenen Reim auf die bösen Familiengeschichten darin macht... Als wäre ein Familiendrama nicht genug, erzählt Pascal Dessaint in "Schlangenbrut" gleich drei abgründige Familientragödien. Literarisch ambitioniert konstruiert er seinen Plot aus verschiedenen Perspektiven und in für die Leser geradezu provozierend wirkenden Perspektivwechseln. Dessaint versucht, buchstäblich jede Figur fühlbar werden zu lassen. Doch bei aller Wertschätzung literarischer Versuche und bei aller nachempfindbaren Hassliebe zur bürgerlichen Familie: Das ist zuviel des Guten! Nur mit viel Durchhaltevermögen und Leselust mag man so noch die z.T. sehr poetischen Passagen und die labyrinthische Verschlungenheit der Geschichte(n) genießen können. Geradezu als Kardinalfehler in Dessaints Erzählung erscheint, dass er seine Protagonisten (wie z. B. den Ermittler Dutrey) leider zu Kulissenschiebern in einem antiken Drama degradiert. Dabei hätte der Autor gerade mit einer seiner vermeintlichen Hauptfiguren für die Leser die notwendige Identifikationsfigur schaffen können, damit sie der Handlung und der geheimnisvollen Familiengeschichte der Lafleurs besser folgen können. [ hs/07.07.2005 ]
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Krimi-Specials
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