Titel: Der Tote im Schnee

Eriksson, Kjell

Der Tote im Schnee

In einem Gewerbegebiet bei Uppsala wird ein Leichnam entdeckt. Der Tote, ein unter Aquarianern geschätzter Zierfischzüchter, ist den Kriminalisten bereits bestens bekannt. Ola Haver leitet die Untersuchungen. Als er bei Ann Lindell vorbeischaut, um den Rat der erfahrenen Kollegin zu suchen, steckt sie gerade mitten in den Weihnachtsvorbereitungen. Doch bald werden alle Vorbereitungen unwichtig. Ann Lindell greift auf eigene Faust in die Ermittlungen ein. Das Gleiche macht der Bruder des Ermordeten...

Autor: Eriksson, Kjell
Titel: Der Tote im Schnee
Jahr: 2005-09
Seiten: 336 |
Verlag: Aufbau
ISBN: 978-3-7466-2155-5
Preis: 5.95 EUR

Status: Lieferbar

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Unsere Meinung:

Vorweihnachtszeit in Uppsala / Mittelschweden: Kommissar Ola Haver und seinem Ermittlungsteam bekommen es mit einem "Toten im Schnee" zu tun. Bei dem Toten John Jonsson, einem Familienvater mit Sohn, deuten schlimme Verstümmelungen eindeutig auf einen Mord hin. Johnson ist den Polizisten von früher als Kleinkrimineller bekannt. Zuletzt war er zwar arbeitslos, hat aber offenbar den Ausstieg aus der Szene geschafft, was man von seinem Bruder Lennart nicht sagen kann. - Doch aus welchem Grund wurde der arbeitslose Schweißer und Zierfischzüchter derart brutal ermordet?
Unterdessen streift der von Menschenhaß zerfressene Vincent Hahn durch die Straßen Uppsalas. Er ist ein Psychopath, der an seiner Umwelt leidet. Und er beschließt, sich endlich für alle erlittenen Demütigungen in seinem Leben zu rächen. Zunächst verfolgt und attackiert er eine frühere Schulkameradin. Seine Annäherungsversuche scheitern aber, so daß er in die Kälte der winterlichen Straßen flüchtet. Als dann die Ermittler eine Verbindung mit dem "Toten im Schnee" herstellen können (Johnson war ebenfalls mit Hahn zur Schule gegangen), folgern sie daraus zunächst, dass der offensichtlich geistig verstörte Mann sich an Peinigern aus seiner Schulzeit rächen will.
Schließlich verkompliziert sich die Situation noch zusätzlich, als Lennart Jonsson, der Bruder des Ermordeten, sich seinerseits auf einen Rachefeldzug macht. Als wäre dem erzählerisch nicht genug, läßt der Autor seine eigentliche Serienheldin Ann Lindell sich in den Fall einmischen. Eigentlich befindet sich die gute Frau im Mutterschaftsurlaub, aber ihr Muttersein wird ihr zu langweilig, so
daß sie nebenbei und zu allem Überfluß auf eigene Faust zu ermitteln beginnt...

Kjel Eriksson gelingt eine atmosphärisch dichte Kriminalerzählung, die aber leider durch zahlreiche Perspektivwechsel und verwirrenden Personenkonstellationen ins Stocken gerät. Es gelingt dem Autor zwar eine psychologisch feinsinnige Darstellung der Ermittlungsarbeit Havers und seiner Kollegen, aber in dem einzigen Erzählmoment, das ihn aus der Masse der skandinavischen Krimiautoren herausheben könnte, geht er meiner Meinung nach nicht weit genug: In der Schilderung der Kluft zwischen den Träumen einfacher Menschen und den Demütigungen, die sie im Arbeitermilieu der alten Universitätsstadt Uppsala erleiden. (Vielleicht hat er dazu - nüchtern betrachtet - auch nicht mehr zu sagen.)

Für einen logisch zusammenhängenden Plot strapaziert der Autor allerdings diverse Erzählmuster. So hat man lange Zeit den Eindruck, die Gründe des Verbrechens in den Gesprächen und im Denken der vielen Protagonisten herauslesen zu können. Womit er die Leser aber leider - trotz beeindruckender Dialogszenen - ins Leere zielen lässt. Seine Figuren stellen leider zur falschen Zeit die falschen Fragen. Aus dem Schneegestöber der Erzählperspektiven vermag man sich so nur schwer zu befreien, und bevor man das Ganze goutieren kann, hat man das Buch auch schon ausgelesen.

Fazit: Unglücklich gescheitert auf recht hohem Niveau.

[ hs/04.12.2003 ]
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