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Daeninckx, Didier Statisten. Der Mann mit der Sammelbüchse.Originaltitel: Les Figurants; L'homme-tronc
Unsere Meinung:Die Vorliebe von Noir-Autoren zum Filmgenre ist bei genauerem Hinschauen auch für den Krimileser buchstäblich erhellend. Die Lichtmetapher wirkt in den lakonischen und sehr politischen Hell-Dunkel-Zeichnungen der Autoren des "neo polar" (Manchette, Pouy, Daeninckx und andere) sehr stimmig, was selbst ahnungslose Leser oft auf seltsame Weise nachdenklich stimmt.
Schon in Jean-Bernard Pouys "Papas Kino" (OT: "Le cinéma de papa", 1989; deutsch: 2002) war der Held Bertrand Bernat auf der Suche nach geheimnisvollen Filmfragmenten, die einen politischen Skandal verbergen. Auch Didier Daeninckx beschreibt in "Statisten" (OT: "Les Figurants") die verbissene Suche des Filmfreaks Valére Notermans nach den Hintergründen und Akteuren eines genauso unbekannten wie geheimnisvollen Films aus den 40er Jahren, der eine höchst professionelle Machart an den Tag legt und den ex Die einzige - relative - Schwäche des Buches ist für den Krimi-Normalverbraucher neben den Begriffen und der Sprache der Filmfreaks sicher der genauso abrupte wie lakonische Schnitt am Ende des Kurzromans, mit dem die Leser allzu schnell aus der Geschichte entlassen werden: Hier wie an anderen Stellen deuten filmhistorische Anspielungen recht vieldeutig auf die erklärungsbedürftigen dunklen Kapitel deutscher "Filmkunst" hin, als Nazi-Propagandisten und ihre Kollaborateure die Opfer ihres Terrors auch noch zu Darstellern in ihren Propagandafilmen machten und missbrauchten (vgl. Veit Harlans "Jud Süß" oder der von dem deutsch-jüdischen Regisseur Kurt Gerron 1943 in Theresienstadt unter Todesweihen erzwungene Film "Der Führer schenkt den Juden eine Stadt"). Didier Daeninckx, der 1977 durch seinen Politkrimi "Meurtre pour mémoire" (OT; deutsch: "Karteileichen", 1984 - Neuauflage im Distel Literaturverlag 2002 unter dem Titel "Bei Erinnerung Mord") berühmt wurde, ist einer der Großen der zeitgenössischen französischen Kriminalliteratur. Ein Problem bleibt nur, dass es von ihm kaum etwa in deutscher Übersetzung gibt. Fans französischer Kriminalliteratur und Cinéasten sollten hier deshalb unbedingt zugreifen. Und wer den Autoren Daeninckx noch nicht kennt: "Statisten" geht mit seinen knapp 100 Seiten gerade einmal so als Kurzroman durch. In der Würze seiner Kürze stellt er dennoch ein lustvolles Dessert dar für alle, die den herausragenden Roman "Bei Erinnerung Mord" (meiner Meinung nach seltene, aber verdiente 9 von 10 Kugeln) noch nicht kennen. Das Sahnehäubchen zu diesem Dessert bildet außerdem die kurze Erzählung "Der Mann mit der Sammelbüchse", die Geschichte eines Drogendealers und Geschäftemachers, der eines Tages (während der Tage des Pariser Mai 1968) auf die definitiv falsche Demo gerät ... - Die kurze Erzählung ist dem vorliegenden Band genauso beigefügt wie ein ausführliches filmhistorisches Glossar. [ hs/03.11.2005 ]
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Krimi-Specials
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