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Moody, Bill Bird lives!Der Jazzpianist Evan Horne ist wieder zurück in der Musikszene. Nach einer einjährigen Zwangspause aufgrund seiner verletzten Hand wird ihm direkt nach seinem Comeback-Auftritt in L.A. ein Plattenvertrag angeboten. Doch sein Glück ist nur von kurzer Dauer, denn das FBI bittet ihn um Mithilfe bei der Aufklärung einer Mordserie an bekannten Musikern. Ist es ein besessener Fan oder ein eifersüchtiger erfolgloser Musiker, der am Tatort Aufnahmen mit der Jazz-Legende Charlie Parker, eine Vogelfeder und die Botschaft "Bird lives!" hinterlässt? Soll Evan Horne seinen Plattenvertrag und somit seine Karriere gefährden, indem er dem FBI bei den Ermittlungen hilft? Dass eine Agentin beim FBI, Andie Lawrence, ebenso intelligent wie attraktiv ist, macht ihm die Entscheidung nicht leichter. Da erhält er einen anonymen Anruf, und ihm wird ein unheimlicher Deal vorgeschlagen.
Status: Vergriffen Preis: 19.90 EUR Unsere Meinung:Genauso hartnäckig wie beharrlich präsentiert uns die Metro-Krimireihe des Unionsverlags in Zürich ein außergewöhnliches Programm auf hohem Niveau. Irgendwie ist das so, als würde man beim Fernseher auf ARTE schalten, wo man sich bei Krimis manch anderer Verlage doch eher bei PRO7 oder dem Weichspülprogramm von RTL wähnt. Außergewöhnliche Krimireihen wie die Noir-Serie beim Distel Literaturverlag haben da leider schon längst das Handtuch geworfen und müssen den großen Verlagen das Terrain überlassen. Um so mehr ist die Arbeit des Unionsverlags zu loben, der uns so großartige Autoren wie Jean-Claude Izzo, Yasmina Khadra oder Leonardo Padura nahegebracht hat. Aber nicht zuletzt tummeln sich im vielfältigen Programm der Züricher Avantgardisten noch andere Autoren, auf die sich ein Blick zu werfen lohnt. Dazu gehört auf jeden Fall auch der kalifornische Autor Bill Moody, der sich mit seinen Kriminalromanen um den Jazzpianisten Evan Horne einen Namen gemacht hat. Bill Moodys vierter Roman der Evan Horne-Serie titelt mit "Bird lives!" und Jazz-Kenner mögen daraus schon herauslesen, dass es in dem Roman mitunter um den legendären Jazzer Charlie Parker geht. Die Handlung des Romans ist unterdessen schnell erzählt: Wiederholte Mordanschläge auf populäre Jazz-Größen legen für das FBI den Schluß nahe, dass ein durchgeknallter Musikfan sich auf einem Rachefeldzug gegen die "Verräter" an einem puristischen Jazz-Verständnis befindet. Und ein Urvater des zeitgenössischen Jazz ist nun einmal Charlie Parker. So gibt der Serienmörder konsequenterweise den Schlachtruf aus: "Bird lives!" und mordet sich munter unter den Jazz-Abtrünnigen weiter. Daß nun das FBI ausgerechnet den Jazz-Musiker Evan Horne anspricht, um mit einem ausgefeilten Täterprofil auf die Spur des Täters zu kommen, passt diesem gar nicht in den Kram. War er doch schon früher in mehreren Fällen zum eher unfreiwilligen Privatdetektiv geworden und hatte er doch so manche üble wie gefährliche Geschichte erlebt. Und zudem hat er doch gerade ein erfolgreiches Konzert absolviert, mit dem er sich wieder in der Jazz-Szene in San Francisco und darüber hinaus etablieren könnte - - - Es kommt, wie’s kommen muß: Evan verfällt dem Charme einer FBI-Agentin und seinen ureignen detektivischen Leidenschaften und lässt sich in die Ermittlungsarbeit des FBI einbeziehen. So leicht ist der gewiefte Jazz-Attentäter jedoch auch durch Evans Hilfe nicht zu greifen. Zudem begreift diese - bald wird klar, dass es sich bei dem Täter um eine Frau handelt - schnell, welche Rolle Evan bei der Sache spielt. Er befindet sich unversehens im Kräftefeld zweier eigenwilliger Frauen. Doch was nun vor allem beginnt, ist ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen unserem Helden und der Serienmörderin ... Schon dieser Plot des Romans macht deutlich, dass man seine Handlungsmomente nicht zu sehr auf die Goldwaage legen darf. Zwangsläufig leidet "Bird lives!" (insbesondere für die Serienleser) an den Schematismen der Vorgänger. Zu gekünstelt wirkt die Beziehungsgeschichte zwischen Evan und der FBI-Agentin einerseits, und dann das Nervenduell zwischen Evan und der durchgeknallten Serienmörderin andererseits. Dazu kommt, dass einige Momente bis zum unvermeidlichen Showdown ziemlich vorhersehbar und im Detail unglaubwürdig wirken. (So gibt sich die Serienmörderin an einer Stelle beispielsweise eindeutig als Schwester einer namentlich bekannten Person zu erkennen, woraufhin das FBI eben nicht sofort und konsequent seinen Apparat und alles andere in Bewegung setzt, um die entsprechenden Ermittlungen einzuleiten.) Dieser etwas ungelenke und schwächelnde Plot ist dennoch aus einem ganz bestimmten Grund verzeihbar, denn eines gilt für alle Evan Horne-Romane: Am stärksten ist Moody, wenn er über den Jazz selbst schreiben darf. Wirkliche Stärke bis zum herausragenden Leseerlebnis zeigt er, wenn er ein Konzert oder auch nur einen Gig beschreiben darf. Da gehen fast die Pferde mit ihm durch! - Moody ist auch im richtigen Leben Jazzmusiker, und in seinen Romanen kann man auf fast anrührende Weise nachfühlen, wie sehr er diese Musik (er)lebt. Das ist mitunter ein kleines literarisches Erlebnis! Daß Moody seine Geschichten dabei in Kriminalromane kleidet, ist nur gut nachvollziehbar. Wer Filmklassiker wie z. B. "Fahrstuhl zum Schafott" (1957; Regie: Louis Malle, Musik: Miles Davis) oder eben auch "Bird" (1988; Regie: Clint Eastwood, Musik: Charlie Parker) kennt, der kann nachfühlen, wie nah sich Jazz am Noir-Roman bewegt. Bill Moodys Roman "Bird lives" bietet vielleicht nicht viel erzählerischen Tiefgang, aber umso mehr Gefühl und buchstäblichen "Groove". P.S.: Ein ernsthafter Rat: Besorgen Sie sich zur Moody-Lektüre doch einfach mal eine Platte von Charlie Parker und spielen Sie dann z. B. ein Stück wie "Ornithology" an. Mir zumindest bereitete es einigen Spaß, Teile von "Bird lives!" in solcher Musikbegleitung zu lesen ... [ hs/17.07.2006 ]
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Krimi-Specials
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