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Pastor, Ben Kaputt MundiTitel der englischsprachigen Originalausgabe: "Kaputt Mundi" (2002)
Unsere Meinung:Der Wehrmachtsoffizier Martin Bora ist ein genauso erfahrener wie gefürchteter Spezialist für Partisanenbekämpfung. Ende 1943 wird er von der fortschreitend zusammenbrechenden Ostfront nach Italien versetzt. Doch auch dort stehen die vorrückenden Alliierten unter amerikanischer Führung schon vor den Toren Roms. Die Nazi-Herrschaft beginnt zu bröckeln, und auch Bora wird von der Ahnung überfallen, dass es bald aus sein könnte mit dem "tausendjährigen Reich". Da er sich bereits mehrmals als interner Ermittler hervorgetan hat, setzt man ihn auf den Mordfall an der deutschen Botschaftssekretärin Magda Reiner an, welche unter mysteriösen Umständen während eines Festes von Nazis und SS-Leuten ums Leben kam.
Obwohl Bora mit den Örtlichkeiten vertraut ist (er ist in Rom aufgewachsen), soll ihm sein italienischer Kollege, Inspektor Sandro Guidi, helfen, die aktuellen römischen Verhältnisse zu verstehen. Doch das beiderseitige Verhältnis bleibt unterkühlt, und zur Jahreswende 1944 befindet sich der italienische Faschismus bereits soweit in Auflösung, dass man sich seiner Verbündeten und Helfer keineswegs mehr sicher sein kann. Bora trifft auf ein undurchsichtiges Minenfeld von politischen Intrigen und Machtkämpfen. Und nicht zuletzt setzen den Deutschen die heranrückenden Feindverbände und Partisanengruppen zu, wobei gerade letztere mit ihren Aktionen bereits die Befreiung der Stadt vorbereiten. Doch wie werden die Deutschen auf die Situation reagieren? Die Lage spitzt sich dramatisch in der Frage zu, ob man Rom kampflos aufgibt oder ob man die Stadt bis zum bitteren Ende verteidigen soll. Und in diesem undurchsichtigen Chaos versucht Bora nicht nur einen Mordfall aufzuklären, sondern auch mit seiner Existenz ins Reine zu kommen. Desillusioniert im Hier und Jetzt, von der Vergangenheit und Erinnerungen mit Selbstzweifeln geplagt blickt er mit nihilistischen Anwandlungen in die Zukunft . . . "Kaputt Mundi" ist ein ambitionierter und vielschichtiger Kriminalroman. Allerdings erfährt man nur aus dem Vorwort der jungen Autorin Ben Pastor, dass "Kaputt Mundi" offenbar ein späterer Teil einer Serie um Martin Bora ist. Ziemlich unverständlich wirkt hier im Zusammenhang, warum die Autorin in Deutschland gerade mit diesem Roman eingeführt wurde. Denn das Vorwort wie auch die Handlung im Roman gibt den Inhalt des früheren Geschehens nur ungenau wieder und lässt wichtige Details der Martin Bora-Saga leider nur erahnen. So bleibt u. a. schwer nachvollziehbar, weshalb der "Spezialist für Partisanenbekämpfung" Martin Bora auf Ermittlungen in "einfachen" Mordfällen wie dem an der Botschaftssekretärin angesetzt wird. So kann "Kaputt Mundi", obwohl er insgesamt ein recht solider und atmosphärisch stimmiger Kriminalroman ist, nicht wirklich überzeugen. Auch wirken die engen historischen Bezüge Pastors oft recht aufgesetzt. Sie gipfeln u.a. darin, dass sie allen Ernstes den verspäteten Widerstandskämpfer Claus Graf Schenk von Stauffenberg als Vorbild für ihren Helden Bora nennt. Allein mit "Kaputt Mundi" in den Händen wirkt diese Koketterie ziemlich haarsträubend. Doch da wir die Hintergründe wie beschrieben nicht genauer kennen, vermag man solche seltsame Details ja nur hinzunehmen und nur zurückhaltend zu kritisieren. Insgesamt können wir uns aber nicht des Eindrucks erwehren, dass sich Pastor das Genre des Kriminalromans nur als einfaches Vehikel angeeignet hat, um ganz andere Erzählabsichten umzusetzen - und ihre historischen (Stadt)Ansichten mit einem Quentchen Spannung anzureichern. Sollten wir mit diesem Verdacht tatsächlich richtig liegen, dann ist "Kaputt Mundi" weder ein lesenswerter Kriminalroman noch ein guter Roman an sich. Allemal reicht er übrigens kaum an Vorbilder wie Philip Kerrs "Berlin Noir", Carlo Lucarellis Serie um Commissario De Luca oder Pavel Kohuths grandioses Romanwerk "Sternstunde der Mörder" heran. Sprich: Es gibt in dieser Art weit Besseres zu lesen. [ ck/hs 10.11.2007 ]
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Krimi-Specials
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