Titel: Der Lüge schöner Schein

Hill, Reginald Der Lüge schöner Schein

Originaltitel: Ruling Passion (1973)

Chief Inspector Peter Pascoe ist schockiert. Aus dem geruhsamen Wochenende auf dem Land, das er mit Freunden aus Studientagen verbringen wollte, ist ein Alptraum geworden. Als er wie immer verspätet ankommt, findet Pascoe nur noch die Leichen seiner Freunde in dem idyllischen Cottage. Offenbar sind sie mit einer Schrotflinte erschossen worden. Einer jedoch fehlt: Colin Hopkins ist spurlos verschwunden . . .

Dalziel und Pascoe Bd.3.

Autor: Hill, Reginald
Titel: Der Lüge schöner Schein
Jahr: 2006-03
Seiten: 392 |
Verlag: Knaur
ISBN: 978-3-426-62442-5
Preis: 8.95 EUR

Status: Lieferbar

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Unsere Meinung:

Als Chief Inspector Peter Pascoe und seine Verlobte Ellie in Thornton Lacey, einem kleinen Dorf in der Grafschaft Oxfordshire, ein Wochenende mit vier alten Studienfreunden verbringen wollen, eröffnet sich ihnen dort eine grausame Szenerie: In einem Cottage finden sie drei der vier Freunde tot vor. Sie wurden offenbar mit einer Schrotflinte ermordet, ja buchstäblich hingerichtet. Ihr Freund Colin Hopkins jedoch bleibt, auch nachdem die örtliche Polizei mit ihrem bärbeißigen Detective Superintendent Backhouse die Mordermittlungen aufgenommen hat, verschwunden.
Während Ellie noch unter schwerem Schock steht, ist Pascoe hin- und hergerissen, wie er sich in diesem Fall verhalten soll. Einerseits erwartet ihn sein gestrenger Chef Dalziel am Montag zurück auf der Dienststelle in Yorkshire, anderseits plagt ihn der ungeheure Verdacht, dass sein alter Freund Colin womöglich die Morde begangen hat und nun auf der Flucht ist. Doch je weiter die Ermittlungen fortschreiten, um so verworrener stellen sich der Fall und auch die eigensinnige Dorfgemeinschaft von Thornton Lacey dar.

Reginald Hills Roman "Der Lüge schöner Schein", der im englischen Original unter dem Titel "Ruling Passion" bereits 1973 erschien, wirkt auf den ersten Blick überraschend zeitlos. So hat man zunächst den Eindruck, einen psychologischen Kriminalroman vor sich zu haben. Auf den zweiten Blick jedoch und mit fortschreitender Handlung entpuppt sich das Buch als ziemlich verwickelter Whodunnit nach klassischem Schema, der alle Stärken und Schwächen des britischen Kriminalromans aufweist.

(In solchen Krimis betritt der Mörder meist schon auf den ersten fünfzig oder hundert Seiten die Bühne. In diesem Wissen suche ich mir während der Lektüre dementsprechend früh meinen eigenen "Favoriten" aus, markiere die entsprechende Seite seines Auftritts mit einem Eselsohr oder feineren Seitenmarkierungen und warte geduldig ab, wie sich mein Verdächtiger verhält und wie sich das Krimirätsel als Ganzes vor mir entfaltet. - Hier lag ich übrigens mit meinem Tatverdächtigen falsch. Auch Pascoe muß übrigens im letzten Drittel des Buches zum gleichen enttäuschenden Schluß kommen.)

Dennoch: Wenn man dem Whodunnit während dieser Mörderjagd ordentlich auf den Busch klopft, dann tun sich in der Handlung immer wieder Fragwürdigkeiten und Holprigkeiten auf. Diese versuchen die Krimiautoren dann meist durch komplexe Handlungsstränge und Spannungsmomente zu kompensieren und die Leser vergessen zu machen. So schien mir hier in diesem Roman das nüchterne Understatement des Helden Pascoe angesichts dem kollektiven Todesfall eines ganzen Freundeskreises im nachhinein doch ein wenig unglaubwürdig. Auch arbeitet der Autor hier im dritten Roman der Daziel-Pascoe-Serie für meinen Geschmack ein wenig zu sehr mit Zufälligkeiten. (Da wird in einer parallelen Untersuchung von Einbruchsdiebstählen und Hehlerei z. B. zweifelsfrei ein Diabetiker als Täter gesucht, worauf in einer späteren Passage die in diesem Fall eher unbeteiligte Freundin Pascoes - übrigens überflüssigerweise - die Beobachtung beiträgt, eine verdächtige Person mit einem diabetischen Getränk beobachtet zu haben. Das wirkt konstruiert und verhilft hier dem weiteren Handlungsverlauf ohnehin nur wenig auf die Sprünge.)

Obwohl der Rezensent also solche Art der Kriminalliteratur ganz offen eher kritisch betrachtet und ihm z. B. die realitätsnahen Darstellungen und die sozialkritischen Elemente in Ian Rankins oder Minette Walters’ Romanen viel näher stehen, so verbucht er seine Beobachtungen in "Der Lüge schöner Schein" doch eher als Kleinigkeiten. Insgesamt gibt es nichts dagegen einzuwenden, wenn derartige - eigentlich recht simplen - Whodunnits mit dem handwerklichen Können, der Klugheit und der Phantasie von Autoren wie Reginald Hill vorgetragen werden. In glücklichen Momenten verleihen diese Autoren ihren Romanen nämlich nicht selten auch eine tiefere Dimension und Bedeutung.
Doch auch ohne diese Bekenntnisse zum Lesegeschmack des Rezensenten ist das vorliegende Buch objektiv eine Empfehlung wert. Vor allem Fans britischer Kriminalliteratur, die nach Peter Robinson oder Ian Rankin Nachfolgelektüre suchen, werden hier mehr als nur gut bedient. Eines leistet Reginald Hill schließlich zuverlässig und immer: grundsolide Unterhaltung.
[ hs/25.05.2006 ]
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