Titel: Mit jedem Schlag der Stunde

Baldacci, David

Mit jedem Schlag der Stunde

Originaltitel: Hour Game
Aus dem Amerikanischen von Uwe Anton

Eine Frau wird tot im Wald aufgefunden, mit einer ungewöhnlichen Uhr am Handgelenk. Was zunächst wie ein einfacher Mordfall aussieht, steigert sich bald zum Albtraum. Die nächsten beiden Opfer sind ein Liebespaar, auch sie mit den gleichen Uhren, in dramatischer Pose zur Schau gestellt. Ist der mysteriöse Zodiac-Killer wieder am Werk, ein Massen-mörder, der einst Los Angeles in Atem hielt und dessen Identität nie geklärt wurde? In diese Orgie der Gewalt werden zwei Privatdetektive hineingezogen: Sean King und Michelle Maxwell, ehemalige Agenten des Secret Service.
Man hat sie angeheuert, um die Unschuld eines Mannes zu beweisen, der zu einer mächtigen, aber zerstrittenen Familie gehört. Die Geheimnisse, die Sean und Michelle dabei aufdecken, führen sie auf die Spur eines Mörders, der anders ist als alle, die sie je kennen gelernt haben. Denn es scheint, dass der Täter die Methoden berühmter Serienkiller studiert hat, nur um sie nachzuahmen. Ist er ein Psychopath, der sein makaberes Spiel mit den Opfern treibt? Oder steckt ein Plan dahinter, den niemand durchschaut? Während die beiden versuchen, das Rätsel zu lösen, tickt im Hintergrund die Uhr. Und nur der Killer weiß, wen es treffen wird, wenn die nächste Stunde schlägt.

Autor: Baldacci, David
Titel: Mit jedem Schlag der Stunde
Jahr: 2006-03
Seiten: 576 |
Verlag: Lübbe
ISBN: 978-3-7857-2201-5
Preis: 19.90 EUR

Status: Lieferbar

Preis: 19.90 EUR

Bestellen

Unsere Meinung:

Ausgerechnet (wer hätte es gedacht!) eine friedliche Kleinstadt in Virginia wird von grausamem Morden heimgesucht. Ein Zusammenhang ist naheliegend, besteht natürlich auch und wird schnell klar durch die Armhaltung der Mordopfer und die zu einer vollen Stunde stehengebliebene Uhr an deren Handgelenk. Das ist das Verbindende einiger der Morde, sonst gibt es viele Unterschiede, denn der Mörder kopiert die Muster verschiedener Mordserien. Was wohl in seiner Willkür grausam sein soll – Mord als „Zitat“ –, wirkt aufgesetzt und verplätschert während des Fortgangs der Handlung irgendwie. Letztlich überdehnt es das Genre und überdreht es von der bedrohlichen Willkür in der kranken Logik eines Serienkillers zur inflationären Beliebigkeit. So ein Plot müsste vor Wahnsinn wabern. Doch hat das Buch an vielen Stellen etwas Infantiles und der Serienkiller bleibt eine schale Gestalt, weil die Attribute die ihn interessant machen sollen, baumeln wie Preischilder auf neuen Klamotten.
Die Ermittler Michele Maxwell und Sean King sind den Baldacci-Lesern schon bekannt. Die beiden ehemaligen Secret Service-Agenten betreiben zusammen eine Privatdetektei im vermeintlich betulichen Städtchen. Sie werden von der vom Fall überforderten örtlichen Polizei angeheuert und geraten tief in den Strudel dieses Falls hinein und ins Visier des Mörders. Sie überleben mehrere Mordanschläge nur knapp.
Diese Ermittlerfiguren sind Pappkameraden. Michelle, eine ehemalige Olympionikin, ernährt sich von Müsliriegeln und Fruchtsäften. Sie hat nicht die geringste Spur von Humor und bekommt schon rote Ohren beim Wort „bumsen“, so anständig ist sie. King ist aus der Schublade gemütlicher Weinliebhaber und Feinschmecker, der nichts von Sport hält und die Fälle vorwiegend mit seinem überragenden Intellekt löst.
Schnell richtet sich die Aufmerksamkeit bei den Ermittlungen auf die Battles, eine industriell-feudale Sippschaft mit riesigen Besitztümern. Zunächst ermitteln Maxwell und King dort nur wegen eines Einbruchs. Doch dann wird Bobby Battle, der Patriarch, ermordet. Unstimmigkeiten am Tatort führen zur Vermutung, dass nicht der Serienkiller, sondern ein Trittbrettfahrer am Werk war.
Der Trittbrettfahrer ist genauso ein weißes Kaninchen aus dem Hut des Thriller-Zauberkünstlers, wie der Ablenkungungsmord, der natürlich auch nicht fehlen darf; die brave Hausfrau lässt beim Kuchen ja auch nicht die halben Zutaten weg. Dieser Mordgattung fallen Unbeteiligte zum Opfer, die nur deswegen sterben müssen, damit die Profiler eine neue Rolle Flip-Chart-Papier anbrechen müssen und sich über verschiedene Theorien in die Haare kriegen können. In diesem Fall wird das Sterben einer jungen, hoffnungsvollen Anwältin aber vergeudet, denn viel mehr als Schulterzucken löst es nicht aus, geschweige denn Verwirrung unter den Aufklärungsprofis.
Nach einer schier unüberschaubaren Reihe von Morden kommt es nach der Erhellung zahlreicher Abgründe an Haupt- und Nebenschauplätzen und der trickreichen Enttarnung des Serienmörders durch unsere Helden zum dramatischen Showdown, in welchem bis zuletzt Überraschendes enthüllt wird, unter anderem, dass nichts so ist, wie es scheint.
Die Anlage der Romans erinnert entfernt an Agatha Christie. Die Örtlichkeiten, an denen sich die Handlung abspielt, sind begrenzt, ebenso das Personal. Der Tater ist „unter uns“ und er wird dann mehr oder weniger stringent anhand immanent vorhandener Indizien durch geistige Überlegenheit von der genialen Ermittlerfigur überführt.
Diese Überführung des Täters mag überraschen, gerät dann aber zur unsäglichen Peinlichkeit im nächtlich-sturmgepeitschten Geständnis der Motive auf rasender Bootsfahrt: die Wut auf den Vater und die Trauer um den Zwillingsbruder haben die Mordlust ausgelöst. Mal was neues!
Mit jedem Schlag der Stunde“ ist ein steril geschriebener Serienmörder-Thriller der sich reichlich aus mancher Schublade bedient, dem gefundenen Krimskrams aber nicht die Welt entlocken kann, die im Krimskrams immer irgendwie steckt.
All das, was hier verwurstet wird, wurde schon unzählige Male überzeugender und lesenswerter überbracht.
Alles in allem ein langweiliges, belangloses Buch. Es ist ein politisch korrekter, antiseptischer Thriller, dessen Figuren einem schnuppe sind und dessen Morde einen nicht berühren.
[ bh/01.03.2006 ]
-

Krimi-Specials

Ansehen

Warenkorb:

-
Der Versand von neuen Büchern innerhalb Deutschlands ist für Sie bei uns versandkostenfrei.