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Dahl, Arne Tiefer SchmerzOriginaltitel: Europa Blues
Unsere Meinung:In Arne Dahls viertem Roman um die Stockholmer Polizisten Paul Hjelm und Kerstin Holm bekommen es die Spezialermittler mit einem harten Brocken zu tun. In zwei Fällen sind der/die Täter in äußerst brutaler Weise vorgegangen, und beide Fallkonstellationen ähneln sich auf seltsame Weise:
Zum einen wird der führende Kopf eines international agierenden Rings von Zuhältern und Frauenhändlern im Stockholmer Zoo in den Tod getrieben und Vielfraßen zum Fraß vorgeworfen. Ein Racheakt? Dann wird kurze Zeit später ein neunzigjähriger Gehirnforscher und Nobelpreiskandidat auf einem Friedhof tot und erhängt aufgefunden. Grausam zugerichtet hat man ihn wie zu einer obszönen Hinrichtung drapiert. Ein Racheakt! Die Sonderermittler des "A-Teams" stehen vor einem Rätsel und sind mit skrupelloser und kaltblütiger Bestialität konfrontiert. Doch was haben die beiden grundverschiedenen Opfer miteinander zu tun? Ja, die Tatmuster ähneln sich zwar - doch worin besteht der Zusammenhang zwischen den beiden Fällen? Gibt es überhaupt einen Zusammenhang? Erst mit einem Vorfall auf einem Stockholmer U-Bahnhof, wo ein Kleinkrimineller von einer jungen Frau hemmungslos zusammengeschlagen und vor einen Zug geworfen wird, ergibt sich eine erste Spur. "Tiefer Schmerz" ist kein gewöhnlicher Kriminalroman. Denn mit seinem subtilen Thriller setzt Arne Dahl nicht nur einen bemerkenswerten Spannungshöhepunkt in seiner Serie, sondern zeigt sich auch willens, sein auf zehn Romane veranschlagtes Krimiprojekt um das A-Team auch spannungstechnisch auf hohem Niveau zu halten. Dabei steht der schwedische Autor nach eigener Auskunft in der Tradition von Sjöwall/Wahlöö. Einer gelinde gesagt übermächtigen Tradition. Er hat sich also viel vorgenommen. Doch noch deutlicher als viele seiner krimischreibenden schwedischen Landsleute wie Henning Mankell, die sich auf Sjöwall/Wahlöö berufen, nimmt er politische und gesellschaftliche Dimensionen der Globalisierung des Verbrechens in den Blick. In "Tiefer Schmerz" beschreibt er so konsequent und schonungslos die Brutalität des internationalen Frauenhandels. Arne Dahl erzählt hart und direkt und setzt dabei buchstäblich auf Action. Daß der Schwede seinen Stil dabei von Buch zu Buch perfektioniert, ist ein genauso bemerkens- wie begrüßenswertes Zeichen einer langsamen Reifung. Charakteristisch bleibt nach wie vor seine temporeiche Erzählweise, mit der er spätestens in diesem vierten Roman seinen ganz eigenen Rhythmus gefunden hat. Nicht umsonst nehmen bei Dahl oft musikalische Motive eine zentrale Bedeutung ein. War es anfangs in "Misterioso" das gleichnamige Jazzstück von Thelonious Monk hatte, wählt er in schöner Regelmäßigkeit neue musikalische Motive zur Untermalung seiner Geschichten. In "Tiefer Schmerz" ist es das Stück Kind of Blue von Miles Davis, welches den Roman als viel sagendes Motiv begleitet. [ ck/hs 10.10.2007 ]
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Krimi-Specials
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