Titel: Wo kein Zeuge ist

George, Elizabeth Wo kein Zeuge ist

Thomas Lynley und Barbara Havers ermitteln in ihrem 13. Fall. Es wird ihr bislang härtester werden. Und er wird ihr Leben von Grund auf verändern
Ein Teenager wird tot auf einem Grabstein in London aufgefunden - alles scheint auf einen Ritualmord hinzuweisen. Als man Thomas Lynley und Barbara Havers von New Scotland Yard den Fall überträgt, ist soeben klar geworden, dass ein brutaler Serienmörder bereits sein viertes Opfer gefunden hat. Brisant ist, dass die ersten drei Opfer alle dunkler Hautfarbe waren. Doch warum reagiert die Polizei erst jetzt? Rassendiskriminierung, so lautet der Aufschrei der empörten Öffentlichkeit.
Die forensischen Untersuchungen lassen keinen Zweifel: alle Morde tragen dieselbe Handschrift. Welche Gemeinsamkeit verbindet aber die Opfer? Barbara Havers, degradiert wegen eigenmächtigen Handelns, stößt auf eine erste heiße Spur.
Doch der Tod eines fünften Jungen weicht vom Muster ab. Waren Lynley und Havers auf der falschen Fährte? Hat der Killer seinen modus operandi verändert - oder hat ein Nachahmungstäter zugeschlagen? Trotz fieberhafter Ermittlungen kann die Polizei den verstörenden Verlauf des Falles nicht verhindern. Und Lynley wird mit der größten persönlichen Tragödie seines Lebens konfrontiert…

Autor: George, Elizabeth
Titel: Wo kein Zeuge ist
Jahr: 2006-01
Seiten: 800 |
Verlag: Blanvalet
ISBN: 978-3-7645-0165-5
Preis: 22.95 EUR

Status: Lieferbar

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Unsere Meinung:

Ein Kunde in unserer Buchhandlung meinte neulich zu dem Phänomen Elizabeth George: "Eine George ist wie die andere. Das sind doch nur monumentale Trivialepen."
Gerne möchte man ihm glauben und sich die knapp achthundert Seiten ersparen, die sich da in einem Buchklotz von knapp 1 kg Gewicht vor einem auftürmen. (Anderseits möchte man sich ja doch über die weithin gelobte Autorin auf dem Laufenden halten.)
Doch dann die erste gelinde Überraschung: Elizabeth Georges "Wo kein Zeuge ist" erwies sich schon bald als das ideale Buch zum Einschlafen. Die Nachtlektüre gestaltete sich vielteilig, dauerte nämlich zunächst jeweils kaum länger als ein Kapitel, und schon verschwand die anfangs leidlich spannende Londoner Szenerie der George in den harmlosen Träumen eines Berliner Schläfers. (Das wirkte aber nicht störend, solange einem ein Buch tatsächlich so gut beim Einschlafen hilft.)
Die überaus langwierigen Ermittlungen von Lynley und Havers auf den ersten zwei- bis dreihundert Seiten und dabei vor allem die etwas geschwätzige Art von George, dies alles bis ins private Detail hinein zu erzählen, wirkte lange Zeit buchstäblich ermüdend. Doch als sich dann die Serie von Morden an farbigen Jugendlichen endgültig als Serienmorde eines psychopathischen Täters erweisen, weil es dieser offenbar bald ganz offen mit Lynley und dem Polizeiapparat direkt aufnehmen will, gewinnt dieser sehr "britische" Kriminalroman der amerikanischen Autorin so richtig an Fahrt. Und dabei geht George nun wirklich nicht zimperlich mit ihren Helden um!
Lobenswert: Elizabeth George bemüht sich dennoch, auch bei ihrem 13. Roman ihres opulenten Lynley-Havers-Epos um genaue Figurenzeichnungen, vertrackte Personenkonstellationen und sorgt jeweils für eine ausgefeilte Psychologie der Handlungsmomente (Ermittlungsirrtümer mit inbegriffen). Und nach wie vor wirkt die Amerikanerin britischer als irgendein britischer Autor jemals wirken kann (mit Ausnahme von Ian Rankin vielleicht, der mit seinem hartgesottenen Polizisten Rebus schon längst Maßstäbe für die Kriminalliteratur setzt).
Und wirft man(n) schließlich noch das Vorurteil über Bord, bei George handele es sich um "weibliche" Kriminalliteratur, dann hält man über alle mentalen (und orthopädischen) Widerstände hinweg ein überraschend gutes und spannendes Buch in den Händen.
Fazit: Ein Buch, zwar als zu schwer, aber doch als lesenswert empfunden.

[ hs/09.09.2006 ]
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