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Rogak, Lisa Dan Brown Der Mann hinter dem Da-Vinci-Code.Originaltitel: "The Man Behind The Da Vinci Code" (Andrews and McMeel Publishing: Kansas City 2005)
Unsere Meinung:Aber den unseligen Autoren liegt an ihrer Industrie und Konkurrenz, sie sind eben die gleichen Glücks- und Geldsüchtler wie die Tröpfe, die sie beschreiben, und da es mehr unanständige und unwissende Leser gibt als anständige und gebildete, so ist die Rechnung bald gemacht.
(Gottfried Keller) Der ungeheuerliche Erfolg des amerikanischen Schriftstellers Dan Brown, dessen Roman The Da Vinci Code (auf Deutsch Sakrileg, 2004) sich von 2003 bis heute weltweit mehr als 40 Millionen mal verkauft hat, sucht nach Erklärungen. - Das hat sich wohl auch die amerikanische Autorin Lisa Rogak gedacht und dabei sicher mit ins Kalkül gezogen, daß sich Dan Browns Lebensgeschichte als riesige Erfolgsstory selbst ganz gut verkaufen ließe. Diese berechnende Art ist dieser Dan-Brown-Biographie von der ersten bis zur letzten Seite anzumerken. Denn im hochglanzfarbigen Illustriertenstil handelt sie die bisherigen Lebensjahre des 43jährigen Stars ziemlich hastig und recht oberflächlich ab und stilisiert die Welt des Dan Brown nur mehr zu einer home life story, die uns Bewunderung über die Arbeits- und Lebensweise des Schriftstellers abnötigen soll. Nun gibt es über Dan Brown aber leider gar nicht sehr viel zu erzählen. Bildungsbürgerlicher Hintergrund, College-Ausbildung, Tätigkeit als Lehrer, - dann der mühsam erschriebene Erfolg als Thrillerautor, der sich erst mit der richtigen Marketing-Strategie Bahn brechen konnte. Eigentlich sollte der übliche Klappentext eines Buches dafür reichen, die Höhepunkte von Browns sehr zurückgezogenem Leben zu beschreiben. Doch Brown hatte auch einen gewissen Riecher dafür, dass man mit Schreiben Geld verdienen konnte, sehr viel Geld sogar. (Lisa Rogak: Dan Brown, S. 123) Dies ist für die Biographin offenbar der Knackpunkt, den sie aber leider auch nur sehr oberflächlich zu vermitteln weiß. Geld verdienen ist für sich genommen nämlich noch keine Lebensleistung. Glücklich darüber, daß es da vielleicht noch mehr im Leben von Dan Brown gab als dieser unbedingte Wille, Geld und Karriere zu machen, erzählt sie uns deshalb ausführlich, wie er zusammen mit seiner Frau Blythe seine schriftstellerische Karriere buchstäblich am Reißbrett geplant hatte. Dabei profitierte er von seinen vorangegangenen Erfahrungen als Autor eines eher peinlichen Lebensratgebers und seinem relativ erfolglosen Versuch, sich im Musikgeschäft zu etablieren. In diesem Zusammenhang geht die Biographin ein einziges Mal ausführlicher auf die schriftstellerischen Qualitäten Browns ein, indem sie vorgeblich vielsagend seitenweise aus den nebulösen Liedtexten des Autors zitiert. (Wäre Dan Brown bei seiner Lyrik geblieben, dann wäre der literarischen Welt wohl auch einiges erspart geblieben.) Die Erleuchtung als Erzähler und Romancier kam Brown dann schließlich während einem Strandurlaub: Als wir in Tahiti Ferien machten, fand ich zufällig am Strand ein Exemplar von Sidney Sheldons `Die letzte Verschwörung´ erzählte er später in einem Zeitungsinterview. Ich habe die erste Seite gelesen und dann die zweite und dann die dritte. Einige Stunden später hatte ich das Buch durch und dachte mir, `Hey, das kann ich auch´. (Lisa Rogak: Dan Brown, S. 82) Im Weiteren liest sich seine Erfolgsstory in dieser Biographie dann ein wenig wie der Aufstieg von Bill und Hillary Clinton an die Macht, nur das Dan (und Blythe) Brown eben gerade mal den Aufstieg zum Olymp der Trivialliteratur geschafft hat. Wie zuvor auf ähnliche Weise seine Vorbilder Jeffrey Archer, Robert Ludlum und Sidney Sheldon. Höhere Weihen erlangte Brown aber nicht etwa durch die Qualität seiner Bücher, sondern vorrangig durch geschickte Vermarktungsstrategien, glückliche Umstände und schließlich durch die sich fast hysterisch in die Höhe schraubenden phantastischen Verkaufszahlen seiner Bücher. Was nun an dieser Biographie überaus ärgert, das ist die seltsame Interesselosigkeit an dem, worüber sie berichtet. Person und Persönlichkeit Dan Browns erscheinen fast austauschbar. Darüber hinaus wirft Rogak zwar das eine oder andere Schlaglicht auf das amerikanische Literatur-Business und die weltweiten Vermarktungsmechanismen der thrillersüchtigen Unterhaltungsindustrie, doch diese oberflächliche Ausleuchtung machen einem weder die Lebenswirklichkeiten des Autoren noch die seiner Leser begreiflich. Dabei hätte man doch zu gerne einmal gewusst und am Beispiel gezeigt bekommen, wie der Fast-Read-Buchmarkt funktioniert. Hier wird nichts hinterfragt, geschweige denn einmal genauer nachgefragt. Deshalb gibt es auch nichts zu begreifen. Weder die eine oder andere Seite, weder die Psychologie des Schriftstellers noch die Bedürfnisstrukturen seiner Leser/innen werden deutlich. Auch der größte Konflikt in dieser eher von Klatsch und Glamour geleiteten biographischen Gesellschaftsreportage, nämlich unter welchen Erfolgsdruck Dan Brown in der Öffentlichkeit geraten ist, wie es um sein nächstes Buch steht und wie er wohl an seinen großen Erfolg anknüpfen wird, das alles bekommt die Biographin nicht in den Griff. Zwei schlappe Abschlusskapitel beschäftigen sich noch halbherzig mit den Plagiatsvorwürfen und dem kleinen Religionsstreit im Wasserglas, welche die mit Verschwörungstheorien voll gepackten Romane Illuminati und Sakrileg provozierten, geben dabei aber nur leidlich Bekanntes wieder. Die Biographin hat offenbar ein wenig mit der Tatsache zu kämpfen, daß der Gegenstand Ihres Schreibens noch gegenwärtig und quicklebendig ist. So beschreibt der müde Epilog (der doch eher Ausblick heißen müßte) noch einmal den guten Menschen Dan Brown und weist vorwitzig darauf hin, daß der sich nach seinem großen Erfolg ja nun im Grunde doch nur noch zurücklehnen brauchte. Selten zuvor habe ich eine seelenlosere, dümmere und vor allem voreingenommenere Biographie gelesen als diese, die von der Kunst der Lebensbeschreibung soweit weg ist wie eine Hofberichterstattung von einem Tatsachenbericht. Eine aufschlussreiche, aber doch auch eher unfreiwillige Botschaft liefert uns die Biographin dennoch: In der Schriftstellerei eines Dan Brown steckt kaum noch ein Körnchen künstlerische oder schriftstellerische Aussage, sondern nur das berechnende Kalkül, wie man mit Büchern möglichst viel Geld macht. Ein Grund mehr, von solchen Autoren und ihren Büchern abzuraten und von ihren überflüssigen Biographen. [ hs/06.08.2007 ]
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