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Disher, Garry SchnappschussOriginaltitel: Snapshot Aus dem Englischen von Peter Torberg Als Detective Inspector Hal Challis den brutalen Mord an Janine McQuarrie untersuchen soll, die auf einer einsamen Landstraße vor den Augen ihrer siebenjährigen Tochter erschossen wurde, werden seine Ermittlungen durch ein Gewirr von Lügen und Heimlichkeiten behindert. Als wenig hilfreich erweist sich, dass Janines Schwiegervater der Vorgesetzte von Challis bei der Polizei ist: Superintendent McQuarrie ist ein wichtigtuerischer Bürokrat und als Golfspieler und Rotarier auf vertrautem Fuß mit der besseren Gesellschaft der Peninsula. Hal Challis’ Liaison mit Tessa Kane, der Chefredakteurin der Lokalzeitung, sorgt zusätzlich für Misstrauen bei den Polizeibeamten von Waterloo, die sich nicht gern in die Karten blicken lassen. Und auch die Gäste der Sexpartys in den properen Vorstadthäusern wollen um jeden Preis anonym bleiben. Jeder in Waterloo hat etwas zu verbergen und etwas zu verlieren. Inspector Hal Challis Bd.3.
Status: Vergriffen Preis: 19.90 EUR Unsere Meinung:KRITIKERSKRUPEL "In diesem Augenblick verschoben sich Scobie Suttons politische Ansichten ein kleines Stück nach links. Die Welt wird immer herzloser, dachte er. Guter Wille allein reicht nicht mehr. Die Bedürfnisse der Wirtschaft haben Vorrang vor den einfachen menschlichen Bedürfnissen. Die Helden der Wirtschaft sind diejenigen, die die Kosten senken, nicht die, die Jobs schaffen und das Wohl der Menschen verbessern. Kosten senken heißt Jobs streichen, und für diese gesichtslosen Menschen mit ihren MBA-Abschlüssen ist das eine rein abstrakte Übung. Nur ja nichts Schmutziges und Menschliches wie jemanden freundlich beiseite nehmen und sich zu entschuldigen, zu erklären und zu loben." (Garry Disher, Schnappschuss, S. 328) Es ist das Dilemma eines freien Hammett-Rezensenten und -Buchhändlers, nicht zu jedem Buch, das er gelesen hat, auch immer gleich eine Kritik abliefern zu können. Zudem plagen uns manches Mal doch leichte Skrupel, zu-weiß-Gott-allem unseren Kommentar abgeben zu müssen, nicht wahr!?! Und trotz des erwartungsvollen und drängenden Verlagsmarketings einerseits, neugieriger Kunden und Freunden andererseits, haben wir zum Glück die Freiheit, nur etwas über Bücher schreiben zu müssen, zu denen wir auch wirklich etwas zu sagen haben. Doch leider fällt einem umgekehrt nicht zu jedem Buch, das einem gefallen hat, auch sofort etwas Kluges ein. Besonders schmerzt einen das bei Büchern, von denen man überzeugt, wenn nicht gar begeistert war. Bücher, über die man mit Kunden im Ladengeschäft oder mit Freunden im Kneipengespräch unendlich oft geredet hat. So viel darüber geredet hat, dass man (ehrlich gesagt) fast gar nicht mehr weiß, was ist Dichtung und was ist Wahrheit an dem, was man da erzählt. Und dabei wollte einem anfangs einfach nichts "Kritisches" oder Gescheites zu dem Buch einfallen - zumindest nicht auf dem Papier respective dem Monitor, auf den man voll Kritikerdrang glotzt. Garry Dishers Roman "Schnappschuss" gehört zu dieser Kategorie des schmerzhaft Unerledigten. Und mögen wir das eine oder andere Detail an dem Roman bereits vergessen haben - unvergesslich bleibt die Atmosphäre, die Disher mit seiner Erzählweise heraufbeschwört. Eine Atmosphäre wie ihr z.B. auch der amerikanische Regisseur Robert Altman in seinen Filmen wie "Short Cuts" (1993) künstlerische Gestalt gab. Eine lakonische Weltsicht etwa zwischen "das Leben ist schön" und "es hat einen doch immer wieder beschissen". Was nun auch Garry Disher in seinen Romanen zeigt, das ist schlicht und ergreifend das Leben. Aus allen Perspektiven, auch den ungewöhnlichen, den verschmähten, den tabuisierten. Das Leben am Bodensatz der Gesellschaft. Das verlogene Leben der Reichen und Möchtegernreichen. Dummheit, Korruption, Schicksal und Verbrechen. Und vor allem das prekäre Leben jener am Rande der Kriminalität, die es fast zwangsläufig mit all jenen unangenehmen und gewalttätigen Gestalten unserer Gegenwart zu tun bekommen, wie sie sich nur kluge Schriftsteller oder ein gemeiner Teufel im Fegefeuer ausdenken können. Alles in allem erzählt Disher - nicht zuletzt eben auch in seinem "Schnappschuss" - völlig ungeschminkt von menschlichen Existenzen, Ausnahmesituationen, Menschen, die ein Leben führen oder einem Leben ausgesetzt sind, das immer auch ein wenig dem Tod ins Auge blickt. Vivre, c’est toujours mourir a peu, sagte irgendwann einmal irgendein kluger Franzose dazu . . . Fazit: Herausragend. [ hs/12.10.2007 ]
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Krimi-Specials
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