Titel: Amsterdam

McEwan, Ian Amsterdam

Alle haben sie dieselbe Frau geliebt, die nun nicht mehr ist: ein Politiker, ein Chefredakteur, ein Komponist. Als desto gegensätzlicher erweisen sich ihre Ambitionen: Ein Freundschaftspakt wird zum Teufelspakt, als es in Amsterdam zum Showdown kommt. Ian McEwan erhielt 1998 den Booker-Preis für diese ebenso witzige wie gnadenlose Geschichte über die Mechanismen der Medien und der Macht.

Ausgezeichnet mit dem Booker Prize 1998.

Ian McEwan, geboren 1948 in Aldershot, wurde als Literaturstudent von Angus Wilson und Malcolm Bradbury gefördert, von Philip Roth für ein Schriftsteller-Stipendium nominiert und für den ersten Erzählungsband mit dem Somerset-Maugham-Preis ausgezeichnet. Der Autor lebt und arbeitet in London.

Autor: McEwan, Ian
Titel: Amsterdam
Jahr: 2005-09
Seiten: 211 | Taschenbuch
Verlag: Diogenes
ISBN: 3-257-23284-5
Preis: 8.90 EUR

Status: Lieferbar

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Unsere Meinung:

"Ehe man anfängt, seine Feinde zu lieben, sollte man seine Freunde besser behandeln."
(Mark Twain)

Dieses Buch beginnt mit einer Beerdigung und endet mit zwei Beerdigungen. Man möchte meinen, dies sei mithin der würdige Rahmen für einen Kriminalroman. Dennoch bewegt sich Ian McEwans großartiges Erzählstück "Amsterdam" die meiste Zeit nur insgeheim an den Rändern des Kriminologischen. Das Böse brütet gleichwohl munter vor sich hin: Eitelkeit, Erfolgssucht, Neid und Missgunst sind letztlich die Triebkräfte von McEwans Helden, dem Komponisten Clive Linley, der vor der Vollendung seiner Meistersinfonie steht, und Vernon Halliday, Chefredakteur einer renommierten Tageszeitung in unruhigen Auflagengewässern. Die beiden geraten mit dem Tod der gemeinsamen Freundin Molly unmerklich aus dem Lot und bedienen sich in der Folge bald schon recht ungeniert aus dem Arsenal menschlicher Bösartigkeiten und Abgründigkeit ...
"Amsterdam" ist eine Geschichte von Freunden und von dem relativen "Wert" von Freundschaft. Gleichzeitig geht es in McEwans Roman um die gesellschaftlichen Wirkungen von Macht. Daß man den Roman so ganz nebenbei als Sittengemälde - oder vielmehr als Abgesang - auf den britischen Bourgeois und die Intellektuellen der Thatcher-Ära lesen kann, das verfeinert nur noch den ironischen Genuß dieser schwarzen Komödie. Nun ist der "homo thatcheripiticus" inzwischen unrühmliche Vergangenheit, dennoch hat der Showdown, den er sich hier mit zwei mehr oder weniger skrupellosen Prachtexemplaren seiner Art liefert, fraglos Stil. Mit der Brille der Kriminalliteratur betrachtet beschreibt der Roman so weniger die Zeit nach der Tat oder den Ermittlungsweg ihrer Aufklärung, sondern beschreibt die Zeit und die verschlungenen Motive bis zur gnadenlosen Vollendung der Tat.
Wie sich nun aber britische Snobs genauso stilvoll wie postmodern die Kugel geben, wollen wir nicht verraten. Wir vergeben aber schon einmal vorsorglich 9 unserer 10 Kugeln für dieses kleine Meisterwerk an den ausfransenden Rändern der Kriminalliteratur ...

[ hs/15.07.2006 ]
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