Titel: Die blonde Witwe

Parker, Robert B. Die blonde Witwe

Der Bankier Nathan Smith wird eines Abends tot in seinem Bett aufgefunden. Von der Tatwaffe fehlt jede Spur und alles spricht dafür, dass seine junge Frau Mary den Finger am Abzug hatte. Dank Nathans Millionen kann sie sich an ein renommiertes Anwaltsbüro wenden. Doch selbst ihre Anwältin zweifelt an der Unschuld der blonden Witwe und engagiert den Privatdetektiv Spenser, um den Fall aufzuklären. Spenser hat zunächst keine heiße Spur, bis plötzlich eine Frau, die bei Nathan Smiths Bank entlassen wurde, tot aufgefunden wird.
Er stößt bei seinen weiteren Ermittlungen auf ein bislang gut gehütetes Geheimnis in Marys Vergangenheit.

Autor: Parker, Robert B.
Titel: Die blonde Witwe
Jahr: 2006-08
Seiten: 224 |
Verlag: Pendragon
ISBN: 3-86532-037-6
Preis: 9.90 EUR

Status: Lieferbar

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Unsere Meinung:

"Ich ging einen Schritt vom Auto weg, fing an zu rennen und sprang auf die Motorhaube des Buick. Mit zwei Schritten war ich auf dem Dach. Ich schoss direkt runter [. . .] aus nächster Nähe. Ich feuerte vier Kugeln ab. Er war vermutlich schon tot, als ihn die zweite Kugel traf. Ich stand auf dem Dach und blickte auf ihn hinab und spürte den Regen und sah die Blitze. Und hörte den Donner.
`Verdammter Hurensohn´, sagte ich."

Robert B. Parker bleibt sich auch im 29. Fall seines Bostoner Privatdetektivs Spenser treu. Vor allem eingefleischte Parker-Fans werden deshalb kaum Schwierigkeiten haben, sich in die erste deutsche Erstveröffentlichung aus der Spenser-Serie seit Jahren einzufinden. Business as usual, sozusagen.
Daß diese ausgeleierte Hardboiled-Masche aber auf Dauer insgesamt vielleicht nicht mehr recht überzeugend wirkt, ist das Problem an Parkers neuem Krimi, der schon wegen seiner Dialoglastigkeit eher als Drehbuch oder als Theaterstück durchgehen könnte. Dabei zeigt der Autor dialogtechnisch durchaus sein Können. Seine Dialoge wirken trotz eines dürftig ausgeführten Plots lebendig und streckenweise recht witzig ... - doch das für sich allein bleibt unbefriedigend. Und leider ist auch die "Blonde Witwe", die zentrale Figur der Banker-Frau Mary Smith, die verdächtigt wird, ihren Mann Nathan ermordet zu haben, buchstäblich zu dumm, um als `Schwarze Witwe´ durchzugehen und Spannung zu erzeugen. Spannungstechnisch stellt dieser "simple minded" Widerpart für Spenser als hartgesottene Hauptfigur in dieser perfiden Intrige ein ziemliches Dilemma dar. Er hangelt sich an diversen Nebenschauplätzen von Gespräch zu Gespräch, von Verhör zu Verhör (zwischenzeitlich segnen einige seiner Gesprächspartner auch ex-und-hopp das Zeitliche) und kommt auf keinen grünen Zweig. (Manche Leser beginnen zu gähnen.) So wirkt durch den relativ schwerfälligen Plot (bei dem es um letztlich um millionenschwere Betrügereien geht) auch der witzigste Dialog auf Dauer langatmig.
Wie bereits angedeutet pflastern in der "Blonden Witwe" überdies viele Leichen Spensers Weg. Daran ist er selbst nicht ganz unschuldig, wie u.a. das Zitat im Vorspann zeigt. Doch über die gängigen Erzählmuster wirkt genau dies recht unglaubwürdig, so wie Parker seine Akteure nonchalant über die Klinge springen lässt. Man vergisst dabei fast, daß hier gleichzeitig noch Spensers alter "Freund" Quirk von der Polizei ermittelt, aber erstaunlicherweise auf Dauer absolut nichts Erhellendes zur Aufklärung des Falls beitragen kann. Da knirscht es insgesamt im Krimigebälk. - Spenser der Superheld?
Was soll man zu diesem Kriminal"roman" noch sagen? Ein Altmeister der Kriminalliteratur liefert hier einfach nur Dutzendware ab. Junk-Food gewissermaßen. Einige Situationen in dem Roman wirken geradezu steif, und wie banal das Ganze sich letzten Endes gestaltet, zeigt vielleicht zum Schluß folgender Dialog aus einer halbherzigen Nebenhandlung (Spenser fragt seine Frau Susan, von Beruf Psychologin, die einen Patientenselbstmord zu verdauen hat):

"Wie fühlst du dich?"
"Ich fühle mich schuldig."
Ich aß ein paar Erdnüsse. Das war nicht leicht. Meistens verdrückte ich sie gleich alle auf einmal.
"Es wäre auch ein Wunder, wenn du dich anders fühlen würdest", stellte ich fest.
"Ich weiß. Ich weiß, daß die Reaktion auf das Ereignis und nicht das Ereignis selbst meine Schuldgefühle hervorruft."
"Das ist trotzdem ein mieses Gefühl", sagte ich.
"Ja."
Ich aß noch ein paar Erdnüsse und beschloss, keine weiteren zu essen. Die Bedienung brachte mir ein zweites Bier. Susan trank einen Milliliter ihres Cocktails.
(Robert B. Parker, Die blonde Witwe, S. 107)

Fazit: Nun ja, für Fans wahrscheinlich ein Muß, ansonsten eher fade amerikanische Hardboiled-Kost.

[ hs/18.10.2006 ]
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