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Vargas, Fred Die dritte JungfrauOriginaltitel: Dans les bois éternels
Unsere Meinung:"Adamsberg kniete sich hin und hielt der Katze das Mobiltelefon ans Ohr. Er hatte einmal einen Schäfer gekannt, der mit einem Leitschaf telefonierte, um dessen seelisches Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, seither erstaunten ihn solche Dinge nicht mehr. Er erinnerte sich sogar an den Namen des Schafs, George Sand."
(Fred Vargas, Die dritte Jungfrau, S. 260 f.) "Ärzte können ihre Fehler begraben, aber ein Architekt kann seinen Kunden nur raten, Efeu zu pflanzen." (George Sand) Mit ihrem fünften Roman um den Pariser Kommissar Adamsberg knüpft Fred Vargas direkt an den Vorgänger "Der vierzehnte Stein" an. Noch sehr eingenommen für diesen Vorgängerroman hat sich der Rezensent nun allerdings selten auf einen solchen Drahtseilakt begeben wie bei diesem Buch: `Gefällt Dir das nun, oder gefällt Dir das nicht?´ - Dabei schätzt der Rezensent die französische Autorin sehr - wie übrigens auch seine anderen Hammett-Kollegen. Und dennoch überwiegen ihm bei dieser "neuen Vargas" zu sehr die Wiederholungsmomente aus vorangegangenen Romanen; manches Mal scheint ihm das Ganze gar nur schlampig aus früheren Geschichten zusammengebastelt und - was ihn am meisten störte: Mehr als zuvor ist "Die dritte Jungfrau" eine Anhäufung von Skurrilitäten und Absurditäten, die man in dieser Form irgendwann einfach nicht mehr leiden will. Die Handlung bewegt sich dementsprechend im üblichen Rahmen: Hier Adamsberg, der weiterhin seine seltsamen existenziellen Kämpfe ausfechtet, dort eine Psychopathin, die quer durch Frankreich ihr mörderisches Unwesen treibt und es wie Richter Fulgence (vgl. "Der vierzehnte Stein") letztlich irgendwie urmotivisch auf A. abgesehen hat, nicht zu vergessen ein überraschend auftauchender Intimfeind Adamsbergs aus Jugendtagen, von dem man nicht weiß, wie sehr er seine Finger im Spiel hat. Doch das alles wird auf so absurden und gedanklich verschlungenen Ermittlungswegen erzählt, dass ich mich wie ein quengelndes kleines Kind auf Autoreise immer wieder fragte: Wann sind wir da? Am deutlichsten wird der innere Konflikt bei der Lektüre des Romans vielleicht in dem Abschnitt, als Adamsbergs Polizeieinheit eine Katze förmlich wie einen Spürhund losschickt, um in einer dann buchstäblich katzengesteuerten Großfahndungsaktion quer durch Paris die verschwundene Kollegin Retancourt aufzuspüren. `Ach Gottchen´, dachte ich mir da kopfschüttelnd. Und jene Szenerie wirkt nun wirklich so dämlich und lächerlich, dass Ihnen bei all solch schillernder Unglaubwürdigkeit des Plots weitere Beispiele erspart bleiben sollen. Die skurrile Welt der Fred Vargas - in "Die dritte Jungfrau" hat sie den Bogen für meinen Geschmack eindeutig überspannt. Doch wem’s gefällt und wer sich daran nicht weiter stören mag, für den ist dieser Roman wahrscheinlich ein neuerliches Glanzstück vargas’scher Erzählkunst. Ich halte es hier bei aller Kritik schulterklopfend mit Voltaire: "Das Überflüssige ist eine höchst notwendige Sache." So mag sich die Autorin mit "Die dritte Jungfrau" einiges Überflüssiges von der Seele geschrieben haben. Bleibt nur zu hoffen, dass sie damit unnötigen Ballast losgeworden ist und sich mit ihrem nächsten und vielleicht letzten Adamsberg-Roman (der fraglos kommen wird . . .) sich noch einmal zu neuen Höhen aufschwingen kann. Wenn Adamsberg dann nach all seinen "unmöglichen" Fällen zum Beispiel aus "unmöglichen" Schicksalslinien heraus in den Reichenbach-Wasserfällen in der Schweiz verunglücken und dort aus ungeklärten Umständen verschwinden würde, das . . . - pfui! - Man mag doch nicht in billigender Weise zum Gedankenmörder an literarischen Figuren werden - [ hs/07.05.2007 ]
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Krimi-Specials
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