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Vargas, Fred Vom Sinn des Lebens, der Liebe und dem Aufräumen von SchränkenOriginaltitel: Petit Traite de Toutes Verites sur l' Existence
Unsere Meinung:"Wenn ich mir an diesem Ostermontag 2001 so ein scheinbar unernstes Werk vornehme, heißt das nicht, Sie kriegen was zum Lachen. Die Hoffnung töte ich gleich im Keim. Es ist besser, glauben Sie mir . . ."
(Fred Vargas "Vom Sinn des Lebens, der Liebe und dem Aufräumen von Schränken", S. 5) Diese Warnung der Autorin, die sie gleich zu Beginn Ihres skurrilen Essays laut werden lässt, sollte man tatsächlich beherzigen. Denn Fans der überaus populären Krimischriftstellerin könnten leicht mit falschen Erwartungen an dieses kleine Werk herantreten. Mit Kriminalliteratur hat Fred Vargas hier nämlich absolut nichts am Hut. Frisch vom Fleck weg plaudert sie aus ihrer philosophischen Hausapotheke, und nur wirkliche Kenner Ihrer Kriminalromane werden dabei z. B. noch einen tieferen Einblick in ihre Logik und ihr schriftstellerisches Denken herleiten können. Das Buch mit dem ungewöhnlichen Titel ist vielmehr ein kleiner Exkurs über die Wunder des Alltags und die unverstandenen Existenzgründe des menschlichen (Privat)Daseins. Einerseits spielt Vargas dabei zweifellos mit den Erwartungen ihrer Leser/innen, andererseits ergeht sich ihr schnoddriger Essay mit augenzwinkernden Wiederholungen (die giftige Kritiker mühelos als "redundant" oder einfach als umständlich oder langweilig identifizieren würden) über die Bedeutung der Familie, der Religion und Mystik sowie über das Warten an einem langen Osterwochenende auf den "Mann ihres Lebens", der sich offenbar nicht einmal bemüßigt fühlt(e), bei ihr anzurufen. Dadurch gewährt Vargas vielleicht recht private (aber keinesfalls intime) Ansichten. Wir wissen es nicht. Nun formuliert sie aber aus diesem "Warten" heraus und in der süßen Not der Einsamkeit einen verworrenen Appell ans einfache Denken. Auf schlingerndem Kurs zeigt Vargas, womit wir uns alltäglich im Denken abplagen und fordert uns schlicht dazu auf, uns des Lebens zu erfreuen und in unserer Existenz nicht mehr Rätsel zu sehen, als sich darin tatsächlich verbergen. Überdies sollen wir uns den nur scheinbar allmächtigen Institutionen der Familie, der Religion, der Gesellschaft und der Philosophie (verstanden im weitesten Sinne als die Äußerungen aller selbst ernannten Lebensdeuter) nicht kampf- und gedankenlos ausliefern. All diese Lebensrätsel löst Vargas bis zum Ende ihrer "pensées" auf und kommt zu dem frechen Schluß: "So kreise ich denn auf besagte Weise, ohne Schwanken noch Wanken über diesem meisterlich errichteten Gebäude und finde, daß nichts, aber auch gar nichts daran fehlt, auch sehe ich kein Rätsel mehr, gefühlsmäßig, philosophisch, kriegerisch, religiös, künstlerisch oder metaphysisch, das euch [gemeint sind Sie, liebe Leser/innen; d. Red.] künftig zusetzen könnte . . ." (Fred Vargas "Vom Sinn des Lebens, der Liebe und dem Aufräumen von Schränken", S. 149) Honi soit le critique qui mal y pense. Nun mag man dieses leichtfüßig hinkende Büchlein, das sich buchstäblich mit "Gott und der Welt" beschäftigt, nur mit Mühe leiden. Der geistreich angelegte Essay ist letztlich weit weniger geistreich als nur rotzig verspielt. Es wirkt zumal weniger witzig als schlicht geschwätzig. Und es erscheint fast so, als würde eine skurrile Figur, die aus einem der Vargas-Romane entsprungen ist, zu einem überlangen Monolog ansetzen. Sicher, es bleiben von dem zweifellos selbst-ironischen Büchlein einige prägnante Passagen haften, so die sarkastischen Einschätzungen des Familienlebens und der daraus resultierenden Probleme als ein Rätsel des Lebens (S. 11) oder die Abkanzlung des Monotheismus als beinahe betrügerischer Budenzauber, der sich mit unzähligen Heiligenverehrungen im Grunde ad absurdum führt und mithin un-glaub-würdig wird (S. 121 ff.) - Doch weder dadurch noch durch die verquere Stilistik werden mehr oder weniger platte Lebensweisheiten oder einfache Einsichten geadelt. So war zumindest eines von Anfang an völlig klar: Mit "Kriminalliteratur" hat das Büchlein rein gar nichts zu tun. - Doch auch als philosophischer Versuch in der leichtfüßigen französischen Essay-Tradition taugt es gleichwohl kaum mehr. Deshalb kommt ein eben nicht unkritischer Bewunderer der französischen Kriminalschriftstellerin Vargas zu einem eher harschen Urteil: Gewogen und als (viel) zu leicht empfunden. P.S. 1: Eine gewisse Aufwertung erfährt das Büchlein zweifellos noch durch den 19seitigen Anhang, der (in gleich lautender Reihenfolge) einen Einblick in "Das Phänomen FRED VARGAS", "Das Universum der FRED VARGAS" und "Die Krimiwelt der FRED VARGAS" bietet und die französische Autorin zuletzt mit einem Interview und einem Begleittext porträtiert. P.S. 2: "Über das Aufräumen von Schränken" oder `den Sinn des Aufräumens von Schränken´ hat der Kritiker an dieser Stelle nun rein gar nichts gelernt . . . [ hs/08.02.2007 ]
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Krimi-Specials
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