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Coben, Harlan Ein verhängnisvolles VersprechenOriginaltitel: Promise Me
Unsere Meinung:Ursprünglich hatte ich Harlan Cobens Thriller "Ein verhängnisvolles Versprechen" Ende Februar 2007 aus einem Zufall heraus parallel zu Reggie Nadelsons Kriminalroman "Rote Wasser" gelesen. Die Handlungen beider Bücher sind im heutigen New York angesiedelt. Und oberflächlich betrachtet klingen hier wie dort die Nachwirkungen für die traumatisierten New Yorker nach dem 11.09. an, wobei sich allerdings bei genauerem Blick auf beide Romane ein entscheidender Unterschied offenbart:
Nadelsons Figuren ist der Schock jener Katastrophe deutlich anzumerken, New York und seine Bewohner werden glaubwürdig und realitätsnah geschildert. Das Ereignis ist hier nicht aus dem Leben der Protagonisten wegzudenken. Nadelson zeigt viel Gespür für die psychologische Situation der New Yorker und zeichnet dieses Trauma sehr einfühlsam nach. Bei Cobens Figuren bleibt der Hintergrund von 11/9 dagegen seltsamerweise sehr blaß. Zwar werden die sogenannten 11/9-Witwen als Hinterbliebene der Opfer kurz zum Thema gemacht, doch bleibt bei Coben die große Katastrophe New Yorks nur ein oberflächliches und insgesamt wenig überzeugendes Versatzstück zu einer relativ konventionellen Thrillerhandlung. Aus folgendem Grund ist diese Kritik keinesfalls spitzfindig: Cobens Held Myron Bolitar hat hier immerhin eine Pause von 6 Jahren hinter sich, da der Serienvorgänger "Darkest Fear" in 2000 erschien (bisher ohne deutsche Übersetzung). "Ein verhängnisvolles Versprechen"/"Promise Me" ist dagegen erst vor kurzem in 2007 bzw. im Original 2006 auf den Markt gekommen. Deshalb hätte man sich für die Serien- und Figurenkonstellation psychologisch weitaus mehr Erklärungen gewünscht, welche Gedanken sich der eingefleischte New Yorker Bolitar zu den zwischenzeitlichen Ereignissen der tatsächlichen Welt macht (Bush-Administration, amerikanische Zeitenwende, Anti-Terror-Gesetze und Irak-Krieg). Doch solches bleibt in dem Roman leider weitgehend aus. Man fragt sich warum. Cobens Spezialität sind ganz offensichtlich ausschließlich Thriller, die in familiären Milieus angesiedelt sind und dabei immer wieder dunkle Familiengeheimnisse aus der Vergangenheit zum Gegenstand und als Hintergrund haben. In diesem Grundmuster spielen seine Plots meist geschickt mit den hinlänglich bekannten Mustern und Cliffhangern und zeigen übrigens wiederholt einen seltsamen Hang zur Melodramatik. Zudem scheint es mir hier durchaus noch der Erwähnung wert zu sein, wie nahe Coben sich mit seiner Bolitar-Serie z. B. an den Matthew Scudder-Romanen von Lawrence Block entlang bewegt, die in ganz ähnlichen Milieus von New York spielen, die mit ähnlichem trockenen Humor erzählt werden und in denen der "einsame" Held ebenfalls eine fatale Schwäche für Frauen hegt und hier wie dort einen "großen Bruder" hat, der ihn immer wieder aus der Bredouille holt. (Bei Block heißt dieses Duo Matthew Scudder/Mick Ballou, bei Coben Myron Bolitar/"Win" Windsor Horne Lockwood III., - und wenn man noch einen dritten krimischreibenden Spießgesellen dazu nehmen wollte: bei Robert B. Parker heißt das ebenso gut funktionierende Gespann - allerdings in Chicago angesiedelt - Spencer & Hawk.) Damit erfindet Coben in "Ein verhängnisvolles Versprechen" und Vorgängern nichts wirklich substanziell Neues, sondern reproduziert leider nur relativ geschickt seine allzu gängigen Muster und Klischees. Das alles bewegt sich zwar noch auf einem beachtlichen Niveau und mit einem so trockenen Humor, dass er mit diesem Roman immer noch viele seiner Thrillerkollegen weit übertrifft. Am wenigsten jedoch mochte ich an dem "Versprechen" leiden, wie der Roman diese klischeehaften Vorstellungswelten über weite Strecken dann doch so sehr strapaziert, dass man sich in Versatzstücken unweigerlich an eher peinliche und hoffnungslos verkitschte Daily Soaps à la "Reich und schön" erinnert fühlte. Insgesamt gehört "Ein verhängnisvolles Versprechen" ganz sicher nicht zu Cobens stärksten Büchern, so dass man nach dieser lauen Fortsetzung zur Myron Bolitar-Serie in Erinnerung an die Vorgänger schließlich nur noch auf wieder etwas bessere Zeiten hoffen mag. Bei der Frage nach Alternativen empfehle ich für alle Krimifans mit einer Vorliebe für New York (ohne jeglichen Sarkasmus oder Seitenhiebe) Reggie Nadelsons mehr als nur unterhaltsame Artie Cohen-Romane. Fazit: Harlan Coben ist ein sehr guter und viel versprechender Autor. Doch genau dies hat er in seinem Roman "Das verhängnisvolle Versprechen" leider nicht unbedingt unter Beweis gestellt . . . [ hs/21.04.2007 ]
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Krimi-Specials
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