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Die 13 Schwestern (Hrsg.) Fatale Verbindungen. Kriminalgeschichten Berliner Autorinnen (Hörbuch, 1 Audio CD)HÖRBUCH
Unsere Meinung:Vorbemerkung: Daß wir als Hammett-Team auf Kriminalromane und Bücher spezialisiert sind und daß unsere kleine Kreuzberger Krimibuchhandlung einfach nicht den Platz hergibt, um zusätzlich noch andere Formen und Bereiche der Kriminalliteratur wie z. B. Comics oder Hörbücher ernsthaft zu pflegen, schließt natürlich nicht aus, dass wir uns hin und wieder ausführlicher damit beschäftigen. Deshalb geben wir hier einmal die Kritik zu einem in 5/2007 aktuellen Hörbuch zum Besten:
"Mit Frauen soll man sich nie unterstehn zu scherzen." (Goethe, Faust, Szene im Garten) Zu dieser bitteren Einsicht kommt wohl auch Ulrich in Barbara Ahrens Erzählung "Spielleidenschaft", eines von insgesamt fünf Hörstücken des bemerkenswerten Hörbuchs "Fatale Verbindungen". Ulrich ist ein arroganter Stinkstiefel, der seiner Frau immer wieder seine vorgebliche Intelligenz und Überlegenheit vor die Nase hält und sie dies vor allem bei gemeinsamen Spieleabenden in trauter Zweisamkeit oder mit Freunden spüren lässt. Ob bei Scrabble, Trivial Pursuit oder beim Skat. Doch als der überhebliche Ulrich seiner Frau das Geschicklichkeitsspiel "Jenga" schenkt, "ein Spiel für geistig Minderbemittelte, wie er sagt", wendet sich das Blatt . . . Das Miniaturdrama "Spielleidenschaft" wird uns aus der sarkastischen Perspektive der Gattin geschildert, wie natürlich auch die meisten anderen Geschichten aus weiblicher Perspektive erzählt sind. (Was würde man von Krimiautorinnen, die sich als "sisters in crime" dem so genannten Frauenkrimi verschrieben haben, auch anderes erwarten?) Bekam es Ulrich in "Spielleidenschaft" also letztlich mit seiner Frau und deren ganzem angestauten Lebensfrust zu tun, befindet sich der Schriftsteller und Gastro-Kritiker Kurt in "Silesian String" von Maria Kolenda auf einem sonderbaren Einkaufstrip von Berlin nach Polen. Daß seine Frau Valeska mitgekommen ist, behagt ihm gar nicht, wohl auch, weil er sich durchaus ein schlesisches Wochenende ohne Gattin und mit dem einen oder anderen Seitensprung hätte vorstellen können. In Schlesien ist Kurt absurderweise auf der Suche nach besonderen Cocktail-Rezepten, stößt dann aber per Zufall auf eine alte Geige, die er (mit Dollarzeichen $$$ in den Augen) kurzerhand erwirbt. Doch hat er hier tatsächlich eine alte Amati ausgegraben, ein Kunstwerk alter italienischer Geigenbaukunst? Nun ist Kurt wie schon vorher Ulrich ein ziemlicher männlicher Schnösel und fällt in seiner Gier auf eine bauernschlaue Händlerin herein, was Ehefrau Valeska im erzählerischen Rückblick recht süffisant zu kommentieren weiß. "Silesian String" vermag im Vergleich zu den anderen Kriminalgeschichten jedoch nicht ganz zu überzeugen, dennoch schafft es die Autorin Maria Kolenda eine witzige Geschichte zu erzählen, die die deutsche Kolonialherren-Mentalität gegenüber unseren osteuropäischen Nachbarn ironisch aufs Korn nimmt. Martina Arnolds "Paarung" spinnt das Motiv jener "fatalen Verbindungen" fort, meist kaputte Beziehungen zwischen Männern und Frauen, die sich reichlich und zum Teil sogar so satt haben, dass es mitunter zur mörderischen Triebabfuhr kommt. Dergestalt hetzt in "Paarung" eine junge Frau durch ein Unwetter, um für ihren Mann und das Abendessen einzukaufen. Als sie endlich nach Hause kommt, ist sie mit den Nerven völlig fertig. Doch erst die kommenden Ereignisse führen ihr (und den Hörern) deutlich vor Augen, mit was für einem brutalen und unheimlichen Tyrannen sie zusammengelebt hat - und daß es wohl an der Zeit ist zurückzuschlagen ... Iris Leisters "Kleine Fische" wird ausnahmsweise aus der Perspektive von zwei ziemlich dämlichen Männern erzählt: "Kleini" und "Tarek", zwei kleine Berliner Gauner, erhoffen sich von ein paar Fischen den großen Fang. Tarek führt seinen Kumpel zu einem Zierteich im Berliner Tiergarten, in dem er Kois, wertvolle japanische Zierfische, ausgemacht hat. Die Kapriolen die folgen, als die beiden kleinkriminellen Fischexperten versuchen, ihren Deal umzusetzen, zeigen mit viel Sprachwitz, welche Blüten die menschliche Dummheit bis zur Dämlichkeit treibt. "Abgegessen" von Anja Feldhorst erzählt uns schließlich von der Abrechnung einer Tochter mit ihrer Mutter. Die Tochter leidet schon ihr Leben lang an dramatischer Fettleibigkeit, ihre Schwester dagegen umgekehrt an fortgesetzter Bulimie. Während die Schwester sich jedoch von der Familie absetzen konnte und sich verbissen in eine berufliche Karriere geflüchtet hat, bleibt die Ich-Erzählerin auf ihren Pfunden sitzen und hat die Launen der böswilligen Mutter zu verdauen. Während also die Tochter ihre Lebensstationen rekapituliert, erkennt sie die Gründe für ihr lebenslanges Unglück in ihrer familiären Vergangenheit. Doch sie lässt weder das Vergangene noch Mutters Gegenwart keineswegs länger so einfach auf sich sitzen . . . Spätestens mit Martina Arnolds bitterbösen Geschichte "Paarung", die in alptraumhaften Sequenzen erzählt ist, wird klar, dass es den 5 Berliner "sisters in crime" gelungen ist, ein atmosphärisch stimmiges und insgesamt überzeugendes Hörbuch zusammenzustellen. Alle fünf Kriminalgeschichten bewegen sich zwar nicht auf überragendem, aber doch auf gutem Niveau, selbst wenn die eine oder andere Erzählidee auch ein wenig unausgereift wirkt. So bieten die fünf Berliner Autorinnen mit ihren bösen Kriminalgeschichten in der schwarz-humoresken Tradition Henry Slesars durchaus spannende und sympathische (Hör)Proben ihres Könnens. Und wie sich das nun alles anhört? Der Sprecherin Ria Raphael ist angenehm zu lauschen, selbst wenn Ihre Stimme trotz meist gelungener Modulation nach den fünf recht unterschiedlichen Erzählungen bald ein wenig monoton wirkt. Nichtsdestotrotz trifft sie in dem Programm von fünf eigenwilligen Autorinnen meist den angemessenen Ton. Die dezent und zurückhaltend gesetzte schräge Musik von Axel Haller tut ihr Übriges dazu und stimmt jeweils kurz und schnörkellos auf die einzelnen Erzählstücke ein. Fazit: Mir hats gefallen. - Hörenswert! [ hs/19.05.2007 ]
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Krimi-Specials
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