Titel: Driver

Sallis, James Driver

Original: "Drive" (Poisened Pen Press: Scottsdale, Arizona, 2005)
Aus dem Amerikanischen von Jürgen Bürger

Driver ist kein Verbrecher. Jedenfalls nicht im engeren Sinne. Er ist nur der beste Stuntfahrer, den man in Hollywood kriegen kann. Und manchmal fährt er bei Raubüberfällen den Fluchtwagen, obwohl ihn das gar nicht so richtig interessiert. Genauso wenig wie die Hollywoodfilme. Eigentlich will er nur fahren. Aber dann läuft einer dieser Überfälle schief, und Driver findet sich in einem schäbigen Motel in Arizona wieder, mit mehreren Leichen im Zimmer und einer Tasche voller Geldscheine. Eigentlich sollte auch er tot sein, denn der Raubüberfall war eine abgekartete Sache . . .

Autor: Sallis, James
Titel: Driver
Jahr: 2007-08
Seiten: 180 |
Verlag: Liebeskind
ISBN: 978-3-935890-46-5
Preis: 16.90 EUR

Status: Lieferbar

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Unsere Meinung:

Harter, lakonischer und temporeicher Kriminalroman aus der Feder einer der wohl fähigsten amerikanischen Kriminalautoren.

In der deutschsprachigen Krimiszenerie hatte man von James Sallis nichts mehr gehört, seit der DuMont Verlag seine Noir-Reihe 2001 endgültig eingestellt hat. Dort waren zuletzt als Programmschwerpunkte "Deine Augen hat der Tod" (1999, Bd. 7), "Die langbeinige Fliege" (1999, Bd. 11) und "Nachtfalter" (2000, Bd. 20) erschienen.

Ähnlich desillusioniert wie die dortigen Protagonisten und ebenso konfrontiert mit den harten Lebenswirklichkeiten ist "Driver", der Held des nun vorliegenden, gleichnamigen Sallis-Romans:
Driver arbeitete jahrelang als mehr oder minder erfolgreicher Stuntfahrer in Hollywood-Filmen, bis er sich eines Tages darauf einlässt, bei Raubüberfällen Fluchtwagen zu steuern. Es dauert nicht lange, ein solcher Überfall gerät fast zwangsläufig mächtig schief und Driver entrinnt gerade noch einmal dem sicheren Tod. Da seine Auftraggeber allerdings gleichzeitig davon auszugehen scheinen, er sei besser tot als lebendig, wird Driver klar, daß er gelinkt werden sollte. Auch über einen anderen Punkt herrscht bei ihm völlige Klarheit: Er wird sich seinen Verfolgern bald mit gnadenloser Gewalt stellen müssen...

Sallis erzählt Drivers Geschichte voller Blut und Gewalt beinahe poetisch und mit lyrischen Anklängen an den Noir-Roman und an späte Noir-Filme. So beginnt der Roman mit Toten und endet mit Toten, so zieht sich durch das ganz schmale Buch förmlich eine lange, gewundene Blutspur. Gleichzeitig beschreibt Sallis in irritierenden Rückblenden, was seinen Helden Driver antreibt. Buchstäblich in Fortsetzung seiner Film-Stunts hat Driver so im Angesicht seiner Verfolger in der Folge mehrere "existenzielle Stunts" zu bestehen. Doch dabei springt er dem Tod nicht nur fortwährend von der Schippe, sondern entpuppt sich für seine Verfolger auch zu einem todbringenden Gegner.

"Was immer er tat, der Mustang klebte hinter ihm wie eine schlechte Erinnerung, wie ein Schicksal, dem man nicht entrinnen kann.
Schwierige Zeiten verlangen schwerwiegende Maßnahmen.
Ein gutes Stück außerhalb der Stadt, da, wo die ersten Windräder auftauchten und sich träge drehten, steuerte Driver ohne Vorwarnung in eine Ausfahrt und legte eine Hundertachtziggraddrehung hin. Er stand mit der Schnauze in die Richtung, aus der er gekommen war. Der Mustang kam auf ihn zugerast.
Dann trat er aufs Gas."
(James Sallis, Driver, S. 108)

Schmutziges und gewaltstarrendes Amerika mit deinen ausgeträumten Träumen und verschwundenen Möglichkeiten!? - Die Gewalt bricht sich hier in rasanter Fahrt die Bahn, und uns als Leser mag es manchmal vorkommen, als säßen wir bei Driver auf der Rückbank. Driver ist ein Verlorener, seiner Vergangenheit wegen, der Gewalt wegen und den niederen Antrieben der Gesellschaft wegen. Deshalb können wir letztlich über die Selbstverständlichkeit und Brutalität, mit der er sich seiner Haut erwehrt, kaum mehr staunen.

James Sallis ist es hier gelungen, einen genauso prägnanten wie packenden Noir-Roman auszugestalten, wobei allerdings noch ein nicht unwichtiges Detail am Rande erwähnt werden muß, auf das wir durch Kundenhinweise aufmerksam geworden sind:
Sallis’ Roman lehnt sich sehr stark an Walter Hills gleichnamigen Film "Driver" an (USA 1978, mit Ryan O'Neal, Bruce Dern und Isabelle Adjani). Vor diesem Hintergrund mag man selbst entscheiden, was einen mehr überzeugt: Die Film- und Bildsprache des Actionfilm-Regisseurs Hill oder die eigenwillige und tiefschürfendere literarische Übersetzung von James Sallis.

P.S.: Daß der zeitgenössische Noir-Roman beim Liebeskind Verlag derzeit in besten Händen ist, zeigen übrigens nicht nur die herausragenden und "coolen" Cover-Gestaltungen, sondern auch die kenntnisreichen Übersetzungen von Jürgen Bürger.

[ hs/09.09.2007 ]
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