Titel: Die Maske des Bösen

Wilson, Robert Die Maske des Bösen

Originaltitel: The Hidden Assassins
Aus dem Englischen von Kristian Lutze

Angst herrscht in Sevilla, denn eine Bombenexplosion hat mehrere Gebäude in Schutt und Asche gelegt. Viele Tote und Verletzte - vor allem Kinder - sind als Opfer des Anschlags zu beklagen. Presse und Öffentlichkeit gehen sofort von einem islamistischen Terrorakt aus, doch Inspektor Javier Falcón zweifelt daran. Seine Gedanken kreisen immerzu um die furchtbar verstümmelte Leiche, die am Tag vor der Explosion auf einer Mülldeponie entdeckt wurde.
Die zeitliche Nähe des augenscheinlichen Ritualmords und der Detonation ist für Falcón kein Zufall. Und als er den Toten schließlich identifizieren kann, bestätigt sich sein Verdacht. Die neue Spur führt ihn zu den Hintermännern eines infamen Komplotts, die hinter der Maske von Reichtum, Wohlwollen und Anständigkeit nur ein Ziel kennen: ungeteilte Macht - um jeden Preis.

Javier Falcon Bd.3.

Autor: Wilson, Robert
Titel: Die Maske des Bösen
Jahr: 2007-09
Seiten: 635 | Hardcover
Verlag: Page & Turner
ISBN: 978-3-442-20314-7
Preis: 19.95 EUR

Status: Lieferbar

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Unsere Meinung:

„Irgendjemand hat das politische oder ökonomische Kapital erkannt, das eine terrorisierte und verängstigte Bevölkerung darstellt. Nach dem Einschlag der Flugzeuge in die Türme des World Trade Centers hat sich alles verändert. Die Menschen sehen die Dinge jetzt anders – sowohl die guten als auch die schlechten. Wenn erst einmal ein neues Kapitel in der Geschichte des menschlichen Grauens aufgeschlagen ist, fangen alle möglichen Leute an, ihre kreative Kraft auf dessen Fortschreibung zu konzentrieren.“
(Inspektor Falcón in Robert Wilsons „Die Maske des Bösen“, S. 413)

Nur wenige zeitgenössische Kriminalautoren vermögen die menschlichen Dramen im Verlauf eines Verbrechens und seiner Aufklärung so eindrücklich zu schildern wie der britische Autor Robert Wilson. Dieses Können gehört zweifellos zu seinen außerordentlichen Fähigkeiten. Das macht ihn per se lesenswert.

Doch man kommt neben der „spannenden Unterhaltung“, die seine intelligent konstruierten Romane bieten, auch sehr leicht ins Grübeln: Über das Böse, die Zerrissenheit und die Niedertracht im Menschen und über den immer wieder gewalttätig hervortretenden Wahnsinn im Zusammenleben der Menschen. Mithin über die Verdorbenheit einer Gesellschaft, die schleichende Korruption, die eine vorgeblich gerechte Ordnung fortschreitend zersetzt und unglaubwürdig macht.
Schließlich über die dahinter liegenden, zentralen Probleme der heutigen Zeit: Dem internationalen Terrorismus, wie er als Bedrohung nicht nur über unseren westlichen Gesellschaften schwebt, sondern gleichzeitig und vor allem im Irak und anderen Krisenherden bereits hemmungslos tobt. Dem Terror als bipolaren sozialen Mechanismus, der mehr zerstört als Menschenleben in Bombenattentaten, sondern in seiner vielfältigen Wirkung Gesellschaften als Ganzes angreift und sie unterhöhlt.

In diesem Sinne könnte man Robert Wilsons Roman „Die Maske des Bösen“ zum Beispiel verstehen. Denn mehr oder weniger vor solchen Hintergründen erzählt er hier zunächst die Geschichte eines Terroranschlags in Sevilla, begleitet von seinen genauso unerwarteten wie komplexen Ereignissen. - Ziel jenes Attentats, das viele unschuldige Opfer fordert, war offenbar eine Moschee, die inmitten eines Wohngebiets lag. Die ersten Spuren des Verbrechens legen dann paradoxerweise eine Verbindung zu islamischen Extremisten und womöglich der Al-Khaida nahe, bis dann jedoch auch eine rechtsextrem-katholische andalusische Separatistenbewegung ins Blickfeld der Ermittlungen gerät.
Nun stellt dieses verheerende Bombenattentat für Wilsons Serienhelden Falcón, dem schon zuvor vom Leben schwer gebeutelten Kriminalinspektor, eine weitere große Belastungsprobe dar. Nicht nur die Tatsache, daß ein mysteriöser Ritualmord, an dem er vor dem Attentat ermittelt hatte, womöglich etwas mit dem Bombenanschlag zu tun haben könnte, bedrückt ihn, sondern zusätzlich noch die Ahnung, daß (wie schon früher) einige Menschen seines näheren Umfelds in die Ereignisse verwickelt sind.
In diesem Spannungsfeld der allgemeinen Hysterie, privater Probleme und nicht zuletzt der schweren Ermittlungsarbeit mit der Intervention diverser Geheimdienste fällt es ihm schwer, Licht ins Dunkel der katastrophalen Vorfälle zu bringen. Zumal sind in der Folge noch weitere beklagenswerte Opfer zu vermelden, - worüber Falcón dann aber durch Zufall und Kombinationsgabe auf den Masterplan der terroristischen Verschwörung stößt ..

Robert Wilsons „Maske des Bösen“ hinterlässt zweifellos einen bleibenden Eindruck. Doch leider gibt es in dem Roman, der sich streckenweise als hochkarätiger Politthriller präsentiert, zu viele lose Handlungsfäden. Sie resultieren aus beinahe zermürbenden Charakterstudien seiner Protagonisten, die im Chaos der Handlung dann letztlich doch etwas verloren wirken. Überdies will es ihm insgesamt nicht prägnant oder überzeugend genug gelingen, den Terrorkomplex in seinem genauso vielschichtigen wie ambitionierten Roman aufzulösen.
Wilson hat sich dabei zweifellos bemüht, keinen oberflächlichen Politthriller zu schreiben – was ihm hoch anzurechnen ist und was viele seiner Kollegen demgegenüber fast monatlich genauso mühe- wie gedankenlos abliefern. Darüber verfällt sein Roman jedoch in ein anderes Extrem und wird stellenweise zu einem düsteren Mysterienspiel des modernen politischen und religiösen Fanatismus.

Vielleicht mag schon die seltsame Titelabbildung der deutschen Buchausgabe andeuten, was einen in diesem Roman erwartet: Darauf abgebildet ist blutrot ein diabolisch wirkender Türklopfer, dazu fehlt aber ein entsprechendes Schloß zu einer Tür oder zu einem Portal. So mag es wohl für manchen überraschten Leser in der Folge leider buchstäblich nicht einfach werden, den Schlüssel und Zugang zu diesem komplexen Roman und seiner durchaus beeindruckenden Geisteshaltung zu finden ...

[ hs/31.08.2007 ]
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