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Massey, Sujata Japanische PerlenOriginaltitel: "The Pearl Diver" (HarperCollins Publishers : New York 2004)
Unsere Meinung:Sujaty Masseys siebter von bisher insgesamt neun Romanen (im amerikanischen Original) um ihre detektivische Heldin Rei Shimura spielt in Washington D.C. Nach ihrer mehr oder weniger erzwungenen Ausreise aus Japan ("The Samurai´s Daughter") folgt die junge Innenarchitektin ihrem Verlobten Hugh von Japan in die US-Hauptstadt, wo er sich als Rechtsanwalt eine neue Existenz aufbauen will.
Auch Rei hat durch glückliche Umstände bald einen neuen Job. Ihre genauso umtriebige wie einflußreiche amerikanische Cousine Kendall, die gerade den Wahlkampf eines Senatoren mit einer groß angelegten Spendenkampagne unterstützt, verschafft Ihr den Auftrag, die Inneneinrichtung des neuen japanischen Restaurants in der Stadt, dem "Bento", zu gestalten. Rei ist Feuer und Flamme. Sie hat eine Menge Ideen für das neue Restaurant, das Trends setzen soll. Und Rei hat damit auch endlich das Gefühl, in der unwirtlichen Großstadt Fuß gefasst zu haben, bis dann kurz hintereinander einige seltsame Begegnungen und Geschehnisse ihr neu gewonnenes Leben komplett wieder in Frage stellen: Zuerst vertraut ihr Andrea, eine junge Mitarbeiterin im "Bento", die tragische Geschichte ihrer Kindheit an und bittet sie, nach dem Schicksal ihrer damals spurlos verschwundenen Mutter zu forschen. Dann wird auf der Eröffnungsfeier des Restaurants unter mysteriösen Umständen ihre Cousine entführt. Sie kommt zwar kurze Zeit später wieder frei, aber Täter und Motive bleiben im Dunkeln. Rei ist zunächst ratlos, was das alles zu bedeuten hat: Ist dies eine politische Intrige um das Wahlkampf-Engagement ihrer Cousine? Oder greift ein Konkurrent auf dem hart umkämpften Terrain der Spitzen-Gastronomie auf unlautere Mittel zurück, um den Ruf des "Bento" zu ruinieren? - Spätestens als Rei selbst zum Opfer eines Überfalls wird, besinnt sie sich auf ihre detektivischen Erfahrungen und beginnt genauer nachzuforschen . . . Dieser "Kriminalroman" ist leider in jeglicher Hinsicht unter Niveau und wird wahrscheinlich nicht einmal treue Fans von Sujata Massey überzeugen können. Die eigentliche Handlung in "Japanische Perlen" (siehe vorangegangener Absatz) kommt ungeheuer schwer in Gang und ergeht sich lange Zeit nur selbstgefällig in einem überaus geschwätzigen Ton einer Gesellschaftskomödie. Diese muntere "Losplaudern" wirkt jedoch alles andere als "sophisticated". In einer seltsamen Behäbigkeit und in aller Umständlichkeit setzt Massey fast zwangsläufig sehr spät erste Spannungsmomente, zu einem Zeitpunkt, wo selbst für den gutmütigsten Leser deutlich geworden ist, dass dieses Lifestyle-Gequatsche auf dem Niveau von "Vanity Fair" und "Gala" nicht die Handlung eines ganzen Romans tragen kann. Halbherzige, schlüpfrige erotische Einlagen und ein kleines Beziehungsdrama tun ihr Übriges zu diesem insgesamt recht einfallslosen erzählerischen Eintopf. Die größte Enttäuschung nach geduldiger Lektüre: Die eigentliche Krimi-Handlung, auf die man wahrlich lange warten muß, kommt wiederum nur zähflüssig in Gang und wirkt dann auch noch alles andere als überzeugend. Das detektivische Engagement der Heldin erscheint viel zu konstruiert, und insgesamt mag dabei nur Masseys angestrengter Versuch positiv ins Auge fallen, einen kritischen Blick auf die interkulturellen Probleme zwischen Japanern und Amerikanern und die tragischen Geschichten von Mischlingsehen geworfen zu haben. Das kann letztlich aber schon nicht mehr über den fragwürdigen Unterhaltungswert dieses Romans hinwegtäuschen. Unter Niveau also: der Plot. Unter Niveau mithin: der Spannungsaufbau. Unter allem Niveau aber vor allem: die stilistischen Mätzchen und der anbiedernde Sprachwitz, wobei sich Massey (und/oder die deutsche Übersetzung) z.B. nicht entblödet, das Klischee der japanischen Aussprache des R als L in aller Breite auszuwalzen: "Ich bin zum Essen hier", erklärte ich; da fiel mir ein, dass die beiden mich ja für eine japanische Touristin hielten. "Andlea-san hat meinel Tante und mil sehl hübschen Tisch gegeben. Abel jetzt sind will feltig. Wollen Sie mit Andlea-san splechen?" (Sujata Massey, Japanische Perlen, S. 296) Muß man sich so etwas wirklich zumuten? - Wirklicher Sprach- und Dialogwitz hätten die Handlung vielleicht tatsächlich noch einmal retten können. Aber nichts davon. Das zähflüssige Gemisch von biederem Humor und umständlichem Plot lässt diesen Roman nur in ungenießbare Belanglosigkeit versinken. All jene schlechten Anteile der klischee- bis formelhaften Erzählweise und der hanebüchene Spannungsaufbau machen das Buch meiner Meinung nach zu einer überraschend herben Zumutung. - So kommt sogar die Frage auf, ob die erfolgreiche Autorin mit diesem Roman ihren eingefleischten Fans einen Gefallen getan hat. [ hs/05.01.2008 ]
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Krimi-Specials
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