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Manchette, Jean-Patrick & Bastid, Jean-Pierre Laßt die Kadaver bräunen!Originaltitel: "Laissez bronzer les cadavres!" (Éditions Gallimard: Paris 1971)
Unsere Meinung:Im knappen, trockenen und unterkühlten Stil der französischen Série Noire erzählen hier die beiden Autoren Manchette und Bastid minutiös das Schicksal von knapp einem Dutzend Menschen, die das erbarmungslose Schicksal in einer brutalen Konfrontation und einem Überlebenskampf bis aufs Blut zusammenführt.
Die genauso exzentrische wie zynische Aktionskünstlerin Luce hat sich vor vielen Jahren in einem verlassenen Weiler bei Point-Saint-Esprit im südfranzösischen Département Gard niedergelassen, um dort mit Freunden und Bekannten ihre Performances auszuleben und bacchantische Feste zu feiern. Als dort eines Tages drei neue Gäste in ihrer kleinen Künstlerkommune eintreffen, ahnt sie nicht, dass es sich bei diesen um skrupellose Gangster handelt, die gerade einen Geldtransport überfallen und ihr kleines Domizil als ideales Versteck auserkoren haben. Luces schmieriger Anwalt Brisorgueil hat die drei Gangster Gros, Jeannot und Rhino als Helfershelfer in den abgelegenen Weiler gelotst. Dort wollen sie in aller Ruhe die Beute aufteilen und vor allem der landesweiten Polizeifahndung und dem Zugriff der Staatsgewalt entgehen, bis Gras über die Sache gewachsen ist und sie irgendwann später weiter ins Ausland flüchten können. Doch es kommt alles anders als gedacht. Dass die abgetakelte und lebensmüde Künstlermatrone Luce offenbar Gefallen an den harten Burschen findet, bringt die Situation im Grunde schon von Beginn an ins Wanken. Als dann mehr oder weniger durch Zufall zwei ahnungslose Dorfgendarmen der Künstlerkommune einen Besuch abstatten, zerschlagen sich die Hoffnungen der Gangster völlig. Die Situation eskaliert. Ein absurdes Chaos und hemmungslose Gewalt bricht über alle Beteiligten herein, und es beginnt ein allseitiger Kampf auf Leben und Tod . . . "Laßt die Kadaver bräunen!" erinnert stark an den Stil französischer Noir-Filme wie "Vier im roten Kreis" ("Le Cercle rouge", Frankreich 1970) oder "Der eiskalte Engel" ("Le Samurai", Frankreich/Italien 1967) eines Jean-Pierre Melville. Jedoch hat dieser genauso brutale wie schonungslose Roman keine wirklichen Helden. Hier kämpft buchstäblich jeder gegen jeden. Und ohne beschwichtigende Moral zeigen die Autoren damit die Gedankenlosigkeit, die Leichtsinnigkeit und mitunter brutale Schlichtheit menschlicher Antriebe und Handlungen auf. Manchette und Bastid beschreiben dies recht trocken und sehr unpathetisch. Aus verschiedenen figürlichen und zeitlich verschränkten Blickwinkeln schaffen sie ein irritierendes Porträt von Menschen in Ausnahmesituationen - von einer "Gesellschaft" in der Ausnahmesituation. Gleichzeitig ist das Buch Kriminalroman pur und erzählerisch extrem spannend . . . Fazit: Für meine Begriffe der stärkste Kriminalroman, den uns der DistelLiteraturverlag in der deutschen Gesamtausgabe Manchettes bisher vorlegt hat. Gleichzeitig ist dies auch der gelungene Abschluß einer sehr gewagten Werkausgabe, die im Bereich der Kriminalliteratur hierzulande ihresgleichen sucht. [ hs/20.10.2007 ]
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Krimi-Specials
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