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Ani, Friedrich Idylle der HyänenWegen eines Unwetters haben sich zwei Jungen zum Fußballspielen in die Tiefgarage eines Hochhauses geflüchtet. Dort machen sie eine grauenvolle Entdeckung: In einem Kellerabteil finden sie eine tote Frau in einem grünen Sommerkleid. Auf den ersten Blick scheint es ein Mordfall zu sein wie jeder andere. Aber den behutsam vorgehenden Ermittlern fehlt lange jede Spur vom Täter, denn in der unpersönlichen Atmosphäre des Wohnsilos hat niemand etwas bemerkt. Der Zufall und die Farbe grün führen endlich zu einer heißen Spur. Doch dann geschieht ein weiteres Verbrechen.
Unsere Meinung:"Denn meine Seele ist übervoll an Leiden,
und mein Leben ist nahe dem Tode." (Psalm 88,4) Nach Abschluß seines großen Kriminalzyklus um den Münchner Kriminalkommissar Tabor Süden meinte Friedrich Ani einmal, er wolle keine Krimis mehr schreiben. Er hat es dann doch getan. Und mit dem Roman "Idylle der Hyänen" setzt er den Grundstein zu einer bemerkenswerten neuen Krimiserie, deren Handlung wiederum in München angesiedelt ist und die erneut einen genauso eigenwilligen wie seltsamen Kriminalkommissar als Ermittler hat. Polonius Fischer ist Hauptkommissar beim Kommissariat 111 der Mordkommission München, "zuständig für vorsätzliche Tötungs- und Todesfolgendelikte und gefährliche Körperverletzung mit Schußwaffe" (S. 15). Er genießt als Einsatzleiter hohes Ansehen bei seinen Kollegen, und so werden die nächsten Mitglieder seiner Einsatzgruppe in Anlehnung an seine frühere Existenz als katholischer Mönch auch "die zwölf Apostel" genannt. Als nun bei einem neuen Fall in einer Tiefgarage die Leiche einer jungen Frau gefunden wird, legt die routinierte Ermittlergruppe schon bald die Identität und die persönlichen Hintergründe des Mordopfers offen. Da die ermordete Nele Schubart, die sich zuletzt in sehr zweifelhaften Verhältnissen bewegt hat, Mutter der siebenjährigen Tochter Katinka war, stellen sich bald einige wichtigen Fragen: Wo ist das Kind? Wurde es ebenfalls getötet, oder wurde es Opfer einer Entführung? Doch tun sich während den fortlaufenden Ermittlungen dann immer mehr Fragen statt Antworten auf. Und daß Polonius Fischer bald auf einen Tatverdächtigen stößt, der zwar aller Wahrscheinlichkeit ein Mörder ist, aber nicht der Mörder von Nele Schubart sein kann, macht die Sache eher noch komplizierter. Zu allem Überfluß muß Fischer in dem unerwarteten zweiten Fall in einem Milieu ermitteln, welches ihm aus seiner Vergangenheit nur allzu vertraut ist. Denn Polonius Fischer war früher einmal Mönch und das Mordopfer in diesem zweiten Fall ist ausgerechnet eine Nonne. Mit "Idylle der Hyänen" legt Friedrich Ani einen genauso überraschenden wie komplexen Kriminalroman vor, der vor allem deshalb einen zwiespältigen Eindruck hinterlässt, weil er sehr unterschiedliche Handlungsmuster mit einer verwirrenden Vielzahl von Motiven verwebt. Unweigerlich tut sich damit die Frage auf, worum es hier eigentlich geht: Um einen religiösen Menschen im Gewande eines Kriminalkommissars, der auf der Suche nach der Wahrheit seine Mönchkutte irgendwann an den Nagel gehängt hat und seither sein Glück bei den professionellen Wahrheitssuchern einer Münchner Mordkommission sucht? Um das Schicksal von Menschen, die sich an den Abgründen ihrer Existenz bewegen oder nur noch in den Abfällen oder Ruinen ihres Lebens dahinvegetieren? Um die Moral einer Mordtat oder auch um die fließenden Grenzen zwischen Selbstzerstörung und Selbstmord? "Idylle der Hyänen" ist zweifellos ein philosophischer Kriminalroman. Und so wirft er spiegelbildlich zur Handlung fortwährend Fragen über Fragen auf, mit denen er erzählerisch bald in ziemlich schweres Fahrwasser gerät. Das Bemühen um Ernsthaftigkeit und das beinahe verbissene Begreifen-Wollen menschlicher Verhaltensweisen kontrastiert zweifellos den Einheitsbrei oberflächlicher Unterhaltung in konventionellen Krimis. - Das passt fraglos zu Anis schriftstellerischem Programm, denn es geht ihm im Gegensatz zu vielen anderen Autoren weniger darum, reine Hochspannung zu erzeugen, sondern er rückt vielmehr die bemerkenswerte Tatsache in den Mittelpunkt, daß es in einem Kriminalroman doch immerhin um Leben und Tod geht. Dementsprechend ernsthaft und mit viel Mühe gestaltet er seine Figuren psychologisch aus. Gleichzeitig und vor allem nimmt er dabei das Genre des Kriminalromans ernst und gibt diesem damit gegenüber der Praxis vieler seiner geradezu wahnhaft von Serienmördern und Bluträuschen besessenen Schriftstellerkollegen buchstäblich seine literarische Würde zurück. Anis aufrichtiges Anliegen und ernstzunehmende Position nötigt im oft genauso sensationsheischenden wie gedankenlosen und weltvergessenen Strom der zeitgenössischen Kriminalliteratur einigen Respekt ab. Nichtsdestotrotz stellt sich dabei noch die Frage, ob es dem Autoren dann im Einzelnen gelungen ist, sein Anliegen tatsächlich umzusetzen. Dabei wirkt sein erster Roman um Polonius Fischer leider über weite Strecken nicht immer überzeugend, denn Ani versäumt es, die vielen verschiedenen Psychodramen seiner Protagonisten und deren zum Teil sehr tief und unterschiedlich empfundene Religiosität als Hauptmotiv seines Romans sozusagen auf einen Nenner zu bringen. Allzuoft überlegt man sich beim Lesen nämlich trotz aller psychologischen Feinfühligkeit des Erzählers und bei allen Glaubensfragen: `Was soll das?´ - `Denken und reden so Leute?´ - Und allzu oft war man beim umfassenden Weltschmerz- und Leidenston des Romans genötigt, das Buch beiseite zu legen und die Lektüre zu vertagen. Man hätte sich so stellenweise mehr von jener tiefgründigen Ironie gewünscht, wie sie z. B. in jener Passage zum Ausdruck kommt, in der dem mutmaßlichen Mörder der Nonne ein Licht aufgeht und er herausfindet, daß er es bei dem Kommissar mit einem ehemaligen Mönch zu tun hat (S. 149 f.). Die Figur des Polonius Fischer selbst gestaltet Ani in seinem ersten Fall noch recht nüchtern und beinahe sachlich distanziert und kühl. Ganz im Gegensatz zu seiner früheren Figur des Tabor Süden, dem man sich sehr nah und verbunden fühlen konnte, bis dieser sich aus seinem ganzen Lebensverdruß in den nächsten Alkoholrausch stürzte. Demgegenüber ist der 51jährige Polonius Fischer quasi ein ziemlich "trockener" Held. Bildlich gesprochen hätte darauf nun ein Tabor Süden mit seinen Freunden wohl sinnesfreudig angestoßen und ihnen hedonistisch zugeprostet "Möge es was nützen!" - das Leitmotiv von Polonius Fischer lautet demgegenüber beinahe kontradiktisch und pietistisch: "Man sollte sein Leben nicht allzu persönlich nehmen." Insgesamt erscheint mir Anis neuer Romanzyklus um den philosophisch-religiösen Ermittler Polonius Fischer dennoch sehr vielversprechend. Man muß nur wissen, worauf man sich hier einlässt. Und abwarten, was Friedrich Ani uns dabei noch alles zu erzählen hat. [ hs/25.09.2007 ]
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Krimi-Specials
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