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Hart, John Der König der LügenOriginaltitel: The King of Lies
Status: Vergriffen Preis: 19.95 EUR Unsere Meinung:John Harts Krimidebüt erweist sich schon auf den ersten 100 Seiten als ziemlich schwer verdaulich und stellt sich streckenweise sogar als recht melodramatischer Kitsch dar: Erzählt wird in dem Buch die düstere Geschichte einer hoch angesehenen Anwaltsfamilie in North Carolina. Der Erzähler ist der junge Strafverteidiger Jackson Workman Pickens, genannt "Work", der unter seiner privilegierten Herkunft mehr als zu leiden hat. Sein herrischer Vater Ezra ist vor mehr als einem Jahr spurlos verschwunden. Seltsamerweise kam in der Nacht seines Verschwindens gleichzeitig Works Mutter nach einem Treppensturz ums Leben.
Zur allgemeinen Familientragödie trägt zusätzlich noch bei, dass Works Schwester Jane in der Folge offenbar den Tod der Mutter nicht verwinden konnte und nach zwei Selbstmordversuchen in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wurde. Zwar ging sie danach mit ihrer Entlassung eine lesbische Beziehung zu einer Mitpatientin ein, aber damit gleichzeitig auch auf Distanz zu ihrem Bruder. Der Roman setzt allerdings erst so richtig ein, als die Leiche Ezras gefunden und die Frage nach seinem Mörder gestellt wird. Works Leben, das von seinem Übervater Ezra durch und durch bestimmt war, gerät damit völlig durcheinander, nicht zuletzt deshalb, weil er von einer hartnäckigen Polizistin und ihrem Kollegen bald selbst verdächtigt wird, mit den dunklen Machenschaften um den Tod seines Vaters zu tun zu haben. "Der König der Lügen" ist ein typischer amerikanischer Justiz- und Psychothriller. Reich an Ideen und überraschenden Wendungen, aber gleichzeitig überambitioniert und über weite Strecken erzählerisch überdehnt und unglaubwürdig. John Hart bemüht sich zwar sehr darum, seinem "harten" und psychologisch angereicherten Stoff Glaubwürdigkeit zu verleihen. Doch schon von Anfang an setzt er wie in einem Überrumpelungsmanöver seinen Lesern einen Helden als Ich-Erzähler vor, auf dessen Gemüt das ganze Leid der Welt zu lasten scheint. "Manche behaupten, im Knast stinkt es nach Verzweiflung. Was für ein Quatsch. Wenn es im Knast nach irgendwas stinkt, dann nach Angst: Angst vor den Wärtern, Angst vor Rudelvergewaltigung, Angst davor, vergessen zu werden von denen, die dich mal geliebt haben und es vielleicht nicht mehr tun. Aber hauptsächlich glaube ich, ist es Angst vor der Zeit und vor den dunklen Gedanken, düsteren Geschehnissen, die in den unerforschten Winkeln des Geistes hausen." (John Hart: Der König der Lügen, S. 5 / Romanbeginn) So beschreibt der Held seine Erfahrungen mit seinen Klienten, aber mithin auch seine eigenen Ängste. Und man selbst schwankt als Leser hin und her zwischen starken Eindrücken und Bildern einerseits, und pathetischen bis schwülstigen Passagen andererseits, die in vollendeter Melodramatik nicht selten sprachlich wie gedanklich entgleisen: "Ich drückte mir die Mündung unter das Kinn und suchte die Kraft zum Abdrücken, suchte sie in einer Woge von Gesichtern. Sah meine Mutter, als sie den Boden unter den Füßen verlor. Sah Jean, am Boden zerstört, wie sie mich verfluchte, weil ich Ezras Wahrheit zu meiner eigenen gemacht hatte. Ich sah ihr Gesicht bei der Beerdigung, ihren Abscheu, als ich versuchte, ihre Hand zu nehmen. Dann Vanessa, bewusstlos geschlagen und gefickt wie ein Tier im stinkenden Schlamm. Und eine Scham, so absolut, dass sie mich noch jetzt vergiftete. Sie hatte Vanessa vertrieben, und ich hatte es zugelassen. Das war das Schlimmste, und in einer Explosion von entschlossenem Selbsthass fand ich die Kraft, die ich suchte. Der Abzug bewegte sich unter meinem Finger, der zu brennen schien, der Lauf presste sich so hart unter mein Kinn, dass er mir den Kopf hochdrückte. Ich öffnete die Augen, um noch einmal in den Himmel zu schauen. Er wölbte sich über mir wie die Hand Gottes, und mitten darin schwebte ein einzelner Falke, bewegungslos und mit ausgebreiteten Schwingen." (John Hart: Der König der Lügen, S. 260 f.) Das Hauptproblem an John Harts Roman "König der Lügen" scheint mir aber, dass er hoffnungslos überfrachtet ist. Sein Held Work leidet nicht nur an einem Vaterkomplex und an seiner eigenen Familie, sondern auch an seiner unglücklichen Ehe mit der Karrierefrau Barbara, die ihrerseits Anwältin ist, und an seiner sich entfalteten Beziehung mit einer Geliebten Vanessa, die Opfer einer Vergewaltigung wurde. Und über dem Ganzen "dräut" ein düsteres, düsteres Familiengeheimnis, dass aber natürlich erst am Ende völlig gelüftet werden darf. Das Buch schwankt so zwischen schlichtem Schwulst und solider Spannungsmache hin und her und findet bis zum Ende leider keinen richtigen Ausweg aus seinen klischeebehafteten Bildern. - Hatte der Autor womöglich wie so viele seine schreibenden amerikanischen Krimikollegen zuviel "Drehbuch im Kopf"? [ hs/29.03.2009 ]
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Krimi-Specials
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