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Vargas, FredDie schwarzen Wasser der Seine. KriminalgeschichtenOriginaltitel: Coule la Seine (Éditions Viviane Hamy: Paris 2002)
Unsere Meinung:"Paris ist eine schöne Stadt, / Woher sie ihren Namen hat: / Von einer alten Hose gwiß, / Denn die hat hinten a paar Riss."
(Karl Valentin, Trommelverse) Mit "Die schwarzen Wasser der Seine" legt der Aufbau Verlag erstmals drei `Pariser Erzählungen´ der französischen Erfolgsautorin Fred Vargas um ihren Serienhelden Adamsberg vor. Daß die Kurzform der Kriminalerzählung bei unseren Lesern und beim allgemeinen Krimipublikum nur noch auf wenig Gegenliebe stößt, wissen wir seit langem. Offenbar mag man es handfest, also in Romanform, und das am besten in Serie. Doch wie man mit dieser literarischen Kurzform durchaus Impulse setzen kann, wie auch eine kurze Kriminalerzählung durchaus lesenswert wird, stellt Fred Vargas hier mit ihren drei Außenseitergeschichten sehr schön unter Beweis: Da ist in "Salut et liberté" ein seltsamer Mann, der sich wie ein Clochard Tag für Tag auf eine Bank vor das Polizeikommissariat setzt und den ein- und ausgehenden Flics schon zum gewohnten Bild dazugehört. Nur Adamsberg spürt, dass der Mann etwas zu verbergen hat und auf seine Weise Zeichen aussendet. Trotz der Frotzeleien und Bedenken seines Kollegen Danglard geht Adamsberg der Sache akribisch auf den Grund und kommt so einem überaus komplizierten Kriminalfall auf die Spur. In "Die Nacht der Barbaren" - nebenbei eine wunderschöne kleine und böse Satire auf Weihnachten - ist es wiederum ein Sonderling, nämlich ein wegen Volltrunkenheit eingebuchteter Ornithologe, der den Kommissar auf die Lösung eines Mordfalls bringt, der als schicksalhafter weihnachtlicher Selbstmord konstruiert war. Die hohe Kunst, sich verschrobene, aber glaubwürdige Charaktere auszudenken, und den Blick fürs Detail, das stellt Vargas schließlich noch ein drittes Mal mit der Erzählung "Fünf Francs das Stück" unter Beweis. Hier ist es der genauso abgerissene wie stolze und widerspenstige Straßenhändler Pi, der den Mordanschlag an einer reichen und prominenten Frau miterlebt hat und vielleicht entscheidende Hinweise geben könnte, das aber abstreitet - oder partout nichts sagen will . . . "Die schwarzen Wasser der Seine" stimmen insgesamt sehr nachdenklich. Für solche Geschichten mithin das beste Zeichen. Gleichzeitig zeigen diese drei `Pariser Erzählungen´ auf ein Neues, wie meisterhaft Vargas die hintergründige Alltagswelt ihrer auf den ersten Blick durchschnittlichen Charaktere mit all ihren Schrullen, ihrem Humor und ihren Neurosen darzustellen und darüber hinaus in eine ironische Krimihandlung einzubinden vermag. Dabei begibt sie sich niemals auf das Niveau simpler Kriminalhumoresken herab. Denn ihr sehr menschlicher und mitfühlender Blick auf die gesellschaftlichen Außenseiter und Sonderlinge zeigt, wie sehr sich das Verbrechen offenkundig zunächst meist nur an den Rändern der Gesellschaft manifestiert, dagegen bei genauerem Blick schon bald und nicht selten direkt ins Auge des bösartigen Orkans, nämlich auf die wohlsaturierten, selbstgefälligen und gierigen "Stützen der Gesellschaft" als Urheber, hinweist. Fazit: Wer die Krimiautorin Fred Vargas als solche schätzt und ihren Helden Adamsberg liebt, der sollte sich diesen schmalen Erzählband nicht entgehen lassen. Und diejenigen, die jemanden kennen, der die Krimiautorin Fred Vargas schätzt und ihren Helden Adamsberg liebt, sollten sich vielleicht überlegen, das Büchlein als genauso warmherzige wie etwas fiese Festgabe unter den Weihnachtsbaum zu legen. Denn: "Es ist doch so, würden die Leute nicht solch ein Gewese um Weihnachten machen, gäbe es auch weniger Tragödien. Sie sind zwangsläufig enttäuscht, die Leute. Und dann kommts zu Dramen." (Fred Vargas, Die Nacht der Barbaren. In: Die schwarzen Wasser der Seine, S. 83) [ hs/25.10.2007 ]
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Krimi-Specials
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