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Rankin, Ian Im Namen der TotenOriginaltitel: "The Naming of the Dead" (Orion Books: London 2006)
Unsere Meinung:"Wenn Rebus in die Rente geht, kann Siobhan seinen Posten übernehmen, und er kann dann die Drecksarbeit für sie erledigen, weil er kein Polizist mehr ist und sich um keine Regeln mehr zu scheren braucht."
(Ian Rankin in einem Gespräch mit Clayton Moore; zitiert aus dem 24-seitigen Begleitheft der deutschsprachigen Ausgabe seines Romans "Im Namen der Toten") Vorausgeschickt: In seinem neuen Roman legt Ian Rankin einige Ambitionen an den Tag, denn "Im Namen der Toten" spielt auf großem politischen Parkett. Ob sich dieses für den Autoren buchstäblich als zu glatt erwiesen hat, darf bereits von Anfang an in Frage gestellt werden, da schon die zwei dem Roman als Motto vorangestellten Zitate nicht unbedingt prägnant auf die verschiedenen Handlungsfäden hinweisen und vielmehr eine gewisse Unmotiviertheit Rankins gegenüber seinem eigenen Romanprojekt erkennen lassen. Schottland im Juli 2005: Die Mächtigen dieser Welt treffen sich in einem abgelegenen Luxushotel bei Gleneagles zum G8-Gipfel. Und wie schon zuvor in Genua 2001 oder später im deutschen Heiligendamm 2007 wird dieses Gipfeltreffen von heftigen politischen Protesten und stärksten Sicherheitsmaßnahmen begleitet. Ungefähr nach dem Motto: No more politics without political restrictives. Während die schottische Polizei also fast alle Kräfte zur Sicherung der (genauso fragwürdigen wie) fraglichen Staatsmänner konzentriert, bekommt es Inspektor Rebus ausgerechnet in dieser Ausnahmesituation mit einer mysteriösen Mordserie zu tun, die sich bald pikanterweise im näheren Umfeld des Staatstreffens abspielt. Rebus wird schnell klar, dass sich die Mordanschläge - falls es sich hier wirklich um einen Serienmörder handelt - ganz offensichtlich gegen kürzlich entlassene Sexualstraftäter richten. Dazu kommt dann allerdings noch erschwerend der tragische und irritierende, aber bis dahin unverdächtige "Selbstmord" eines Staatssekretärs im Vorfeld des G8-Gipfels ins Spiel, was bei allem eine entscheidende Rolle spielen könnte . . . Rebus, den seine Vorgesetzten schon seit längerem aufs Altenteil schieben wollen und die den "troublemaker" unter allen Umständen von den Sicherheitsplanungen zum G8-Gipfel fernhalten, geht der Sache genauso zielstrebig wie hartnäckig auf den Grund und lässt sich so mit gewohnter Chuzpe auch keinesfalls von den Sicherheitskordons von Gleneagles aufhalten . . . Den bislang vorletzten und 16. Kriminalroman mit seinem großen Anti-Helden Rebus tritt Ian Rankin also überaus ambitioniert an. So bindet er seine Krimihandlung hier in ein Gesellschaftsporträt ein, in dem das demokratische Zusammenleben unter den Anforderungen eines übermächtigen Sicherheits- und Überwachungsapparats kritisch in Frage gestellt wird. Doch es bleibt leider weitgehend bei kritischen Untertönen, und damit ist dem Roman in der Verknüpfung zwischen halbherzigem Politthriller und konventionellem Serienmörderroman auch nur eine glimpfliche Bruchlandung gelungen. Zu "behaglich" verharrt das Krimiszenario hier in seinen altbewährten Mustern. Demokratien im gefährlichen autoritären Umbruch hin zu Überwachungsstaaten zu beschreiben, mit solchen Ambitionen scheitert Rankin selbst in Ansätzen und mit reinen Andeutungen recht deutlich. Gleichzeitig - und das ist die bittere Erkenntnis, auf die man auch gleich einen guten schottischen Whisky trinken möchte - zieht er damit sogar seinem Helden Rebus unfreiwillig den kritischen Zahn. Derart kann der Roman trotz seinem ganzen gut verpackten Pathos und den durchaus beeindruckenden Impressionen zum Ablauf von politischen Großereignissen fast nur enttäuschen bzw. kaum überzeugen. Das alles mag die eingefleischten Fans von Ian Rankin und seinem Serienhelden John Rebus kaum bekümmern. Nicht zuletzt bleibt ihnen und uns der Trost des Krimilesers, dass der Autor hier natürlich wie immer zumindest solide Spannungsware abgeliefert hat. So sollte "man" das Buch wohl doch gelesen haben, denn schließlich möchten wir allesamt ja wissen, was passiert ist, bevor Rebus seine Entlassungspapiere unterzeichnet oder aus tragischen Umständen heraus vielleicht sogar sein Zeitliches gesegnet hat. In diesem Sinne klingt das vorausgeschickte Zitat aber eindeutig nach falschen Versprechungen. - Wer dies alles jetzt schon nachlesen will, muß derzeit noch zum britischen Original "Exit Music" (Orion Books, London 2007) greifen . . . Randbemerkung: Gefallen hat übrigens im Besonderen noch das informative Beiheft zum Roman mit einem sehr aufschlussreichen Autoreninterview und einem recht übersichtlichen Werküberblick. [ hs/08.11.2007 ]
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Krimi-Specials
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