Menu

Verlag: Tropen - Kap der Finsternis

Kap der Finsternis - Smith, Roger - Tropen

Smith, Roger Kap der Finsternis

Originaltitel: Mixed Blood
Aus dem Englischen von Peter Torberg und Jürgen Bürger

Jack Burn, gestrauchelter amerikanischer Glücksspieler, ist mit seiner hochschwangeren Frau und seinem Sohn in Kapstadt untergetaucht. Dort wird die Familie Opfer eines willkürlichen Gewaltverbrechens, verübt von Mitgliedern einer Gang. Benny Mongrel, gerade aus dem Gefängnis entlassen und als Wachmann tätig, schöpft Verdacht, als er beobachtet, wie die Gangster in Burns luxuriöses Haus einsteigen, Schüsse fallen und beide nicht wieder auftauchen. Burns Inkognito droht aufzufliegen, und es beginnt ein aufreibendes Katz-und-Maus-Spiel mit Gatsby, einem bigotten, rassistischen Polizisten, der seinerseits die staatliche Antikorruptionseinheit im Nacken hat. Ein atemloser Showdown führt mitten ins Gangland, in die Cape Flats, die riesigen, labyrinthischen Vorstadtslums …

Autor: Smith, Roger
Titel: Kap der Finsternis
Jahr: 2009-03
Seiten: 356 | Hardcover
Verlag: Tropen
ISBN: 978-3-608-50202-2
Preis: 22.00 EUR

Verfügbarkeit:
Lieferbar

Portofrei
innerhalb Deutschlands

22.00 €
inkl. MwSt.

Bestellen

Unsere Meinung:

Jack Burn ist ein Schwerstkrimineller aus den USA, der sich weit weg von den Orten seiner früheren Verbrechen zurückgezogen hat. Als Rückzugsgebiet hat er sich jedoch sinnigerweise das Land mit der höchsten Verbrechensrate dieser Welt ausgesucht: Südafrika. Dort lebt er in Kapstadt zusammen mit seiner schwangeren Frau und ihrem Sohn in einer Wohnanlage für vermögende Weiße. Doch ausgerechnet in dieser sonst so sicheren Wohnfestung nimmt das Schicksal seinen ironischen Lauf: Burn und seine Familie werden in ihrem Haus von zwei drogensüchtigen, schwarzen Gangmitgliedern überfallen. Diese ihrerseits konnten jedoch nicht ahnen, dass sie auf einen gnadenlosen Kriminellen treffen würden. Burn ist ein Profi, tötet beide und beseitigt die Leichen. Ihm ist allerdings klar, dass er zwar zwei ziemlich unangenehme Menschen aus der Welt geschafft hat, dass darüber aber noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. Denn es gibt mehr als nur zwei oder drei unangenehme Menschen auf der Welt: Da ist Benny Mongrel, der in der Wohnanlage als Wachmann arbeitet, selbst Mitglied einer Gang ist und fast sein ganzes bisheriges Leben im Gefängnis saß. Und da ist der korrupte und etwas durchgeknallte Polizist Rudi Barnard, genannt "Gatsby", der zwei Leidenschaften hat: Die Liebe zu Jesus Christus und sein Hang zum Töten. Jack Burn findet sich also plötzlich sehr unfreiwillig und quasi unter seinesgleichen wieder. Mongrel und Barnard wissen zuviel und sind fest dazu entschlossen, in welcher Form auch immer daraus Kapital zu schlagen ... "Kap der Finsternis" ist ein sehr heftiges und brutales Buch. Roger Smith zeichnet darin ein extrem gewalttätiges Südafrika, in dem Morde, Vergewaltigungen, Erpressung und Korruption an der Tagesordnung sind. Doch trotz oder gerade wegen diesem extrem gewalttätigen Hintergrund nimmt Smith mit ständig wechselnden Erzählperspektiven eine geradezu ironische Erzählhaltung ein: Das Böse trifft hier auf das Böse und erkennt sich groteskerweise in seinem eigenen Spiegelbild nicht wieder. Jede einzelne Szene in diesem abgründigen Roman wird abwechselnd von einer der Figuren erlebt und geschildert. Das gibt der Geschichte Tiefe und ein ganz eigenes, fast drängendes Tempo. Gut und Böse bewegen sich in "Kap der Finsternis" jenseits aller gewohnten Kategorien. So wirkt die Dominanz des Bösen hier absolut desillusionierend. Das muss man als Leser/in übrigens recht bald feststellen, denn das sogenannte Gute fehlt hier fast völlig. In dem Roman herrscht die pure Gewalt. Inwieweit dies alles mit südafrikanischen Realitäten übereinstimmen mag, ist für den Rezensenten, der das Land nur aus den Nachrichten kennt, nur schwer einzuschätzen. Ein Jahr ist es nun allerdings noch hin, bis das mediale Großereignis der Fußballweltmeisterschaft 2010 uns das Land und seine Verhältnisse deutlich vor Augen führen wird. - Bisher hat man vielleicht einmal davon gehört, dass Südafrika eines der gewalttätigsten Länder der Erde sein muss, hat man vielleicht einmal darüber nachgedacht, welche Spuren 42 Jahre Apartheid und die vorherige Diktatur und Unterdrückung durch diverse Kolonialmächte hinterlassen haben. Aber ... "Kap der Finsternis" ist sicher keine Lektüre, die man einem angehenden Südafrika-Urlauber einfach so ans Herz legen möchte. Dieses Buch ist düster und meilenweit entfernt von dem so beliebten Postkartenkitsch der Urlaubskataloge. Dennoch wird hier auch ein positiver Ton angeschlagen: So derb, roh und heftig die Handlung des Romans auch sein mag, so sehr rüttelt er einen auch wach, so sehr steckt in ihm auch die Aufforderung, sich mehr mit den Verhältnissen in Südafrika zu beschäftigen. Die Krankheitssymptome dieser Gesellschaft –grassierende Gewalt, politische Korruption und eine AIDS-verseuchte Generation – sind nämlich keineswegs nur ein Randphänomen oder ein 3-Welt-Problem. Die anrührendsten Momente des Romans spielen sich übrigens zwischen dem mehrmaligen Mörder Mongrel und seiner Hündin Bessie ab. Das ist kein Zufall, sondern Absicht. Nur zwischen der Kreatur Mensch und der Kreatur Tier scheint möglich, was Roger Smith den Menschen an Gefühlsregungen untereinander offenbar nicht mehr zutraut. P.S.: Besondere Erwähnung verdienen die beiden Übersetzer Jürgen Bürger und Peter Torberg. Sie haben es auf eindrucksvolle Weise geschafft, Roger Smiths Pandämonium der Gewalt eine deutsche Stimme zu geben. [ ck/09.07.2009 ]
-